Mittwoch , 28. Oktober 2020
Münster: Victor Ocansey steht mit seinen Söhnen Vincent (links) und Leroy in der Nähe des Coconut-Beach-Geländes. Nach einem anscheinend rassistischen Vorfall bei einem Open-Air-Festival in Münster ist einem Türsteher gekündigt worden. Er hatte dem schwarzen Polizeibeamten, der privat mit seinen beiden Söhnen unterwegs war, den Einlass verwehrt. Foto: Victor Ocansey/dpa Quelle: Victor Ocansey/dpa

Alltagsrassismus in Münster: Schwarze Besucher bei Festival abgewiesen

Rassistischer Vorfall in Münster: Ein Vater will mit seinen zwei Söhnen auf ein Festival, doch der Türsteher verweigert den drei Männern mit schwarzer Hautfarbe den Einlass. Kein Einzelfall, weiß der Familienvater und Polizeibeamte – und sorgt mit einem Facebook-Post für Konsequenzen.

Münster. Nach einem anscheinend rassistischen Vorfall bei einem Open-Air-Festival in Münster ist einem Türsteher gekündigt worden. Er hatte einem schwarzen Polizeibeamten, der privat mit seinen beiden Söhnen unterwegs war, den Einlass verwehrt. “Der oder die Türsteher, die euch offensichtlich nur abgewiesen haben, weil ihr eine andere Hautfarbe als die Weißen habt, wird/werden nie wieder an unserer Tür stehen”, schrieb der Geschäftsführer des Clubs, auf dessen Gelände das DJ-Festival stattgefunden hat, bei Facebook an die betroffene Familie. Auch der Partyveranstalter teilte am Montag mit, dem Sicherheitsdienst-Mitarbeiter sofort gekündigt zu haben, und entschuldigte sich. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Öffentlich gemacht hat das Geschehen der abgewiesene Vater selbst: Victor Ocansey ist Polizeibeamter des Landes NRW und gleichzeitig Pressesprecher bei einer Landesoberbehörde. In einem inzwischen mehr als tausend Mal geteilten und hundertfach kommentierten Post schildert er, wie der Familie der Einlass verweigert wurde. Es sei ihnen erklärt worden, dass es mit ihnen nicht passe und sie das Geld der bereits erworbenen Tickets zurückbekämen. Er habe zunächst an einen Scherz geglaubt, beschrieb Ocansey, habe aber dann die demütigende Situation realisieren müssen. „Wir wurden zwar nicht vom Platz gejagt, aber es hat sich so angefühlt“, sagte Ocansey am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Die veranstaltende Agentur distanzierte sich am Montag von pauschalen Rassismus-Vorwürfen. Als Veranstalter habe man stets ein breites, buntes und kulturell vielfältiges Publikum gehabt. Deutlicher wurde der Betreiber des „Coconut Beach“-Geländes, an dessen Eingang sich der Vorfall abgespielt hatte: „Nichts liegt mir persönlich ferner als Rassismus und kaum etwas widert mich mehr an als selbiger“, schrieb der Geschäftsführer bei Facebook. Immer wieder erkläre man jedem Sicherheitsunternehmen, „dass Hautfarbe, egal welche, niemals ein Kriterium für den Einlass darstellen darf“.

Er freue sich, dass die Situation ernst genommen werde, sagte Ocansey. „Aber ich weiß eben auch, dass ein Vorfall wie dieser kein Einzelfall ist“, fügte er hinzu. „Meine Söhne berichten mir regelmäßig davon, abgewiesen zu werden. Sie suchen sich ihre Ausgeh-Location danach aus, wo sie die größte Wahrscheinlichkeit haben, überhaupt reinzukommen.“

RND/dpa