Donnerstag , 24. September 2020
Ein Blick auf das Gelände des Wiesenhof-Hähnchenschlachthofs im niedersächsischen Lohne. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Dutzende Corona-Fälle bei Wiesenhof in Lohne: Kommt der Lockdown?

Der Landkreis Vechta arbeitet weiter daran, den Corona-Ausbruch unter Mitarbeitern eines Hähnchen-Schlachthofes einzudämmen. Die Zahl der Neuinfektionen nähert sich der kritischen Grenze von 50 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Lohne. Der Landkreis Vechta will nach dem Corona-Ausbruch unter Mitarbeitern eines Schlachthofes in Lohne weitere Kontaktpersonen ermitteln. Zwar sei ein Großteil des in Frage kommenden Personenkreises bereits kontaktiert und unter Quarantäne gestellt worden, dennoch sollten weitere mögliche Kontaktpersonen aus dem persönlichen Umfeld der Mitarbeiter gesucht werden, sagte ein Sprecher des Landkreises. Die Schlachthof-Mitarbeiter hatten sich nach Angaben des Landkreises überwiegend im privaten Bereich mit dem Virus angesteckt. Der Schlachthofbetrieb gehe daher weiter.

Unter den Mitarbeitern des zur PHW-Gruppe (Wiesenhof) gehörenden Hähnchenschlachthofs Oldenburger Geflügelspezialitäten in Lohne hatten sich mindestens 66 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. 35 von ihnen wohnen im Landkreis Vechta, 27 im Landkreis Diepholz, zwei im Landkreis Osnabrück und jeweils eine Person im Landkreis Cloppenburg und in Delmenhorst.

67 Menschen im Landkreis Vechta mit Corona infiziert

Insgesamt sind im Landkreis Vechta aktuell 67 Menschen mit dem Virus infiziert, für die mit weiteren 90 engen Kontaktpersonen eine Quarantäne angeordnet wurde. Derzeit befinden sich nach Angaben des Landkreises damit 157 Personen in Quarantäne. Zwei Erkrankte werden stationär behandelt. Mitte der Woche solle es neue Reihentestungen unter den Schlachthof-Mitarbeitern geben, sagte der Sprecher.

Mit diesen neuen Corona-Fällen liegt der Landkreis Vechta landesweit an der Spitze, was die so genannte Sieben-Tage-Inzidenz betrifft. Dem Kreis zufolge gibt es derzeit 41,67 Neuinfektionen bezogen auf sieben Tage. Laut Corona-Statistik des Landes liegt sie für den Kreis Vechta bei 44,1. Sollte der Wert auf 50 steigen, hätte das Einschränkungen für das öffentliche Leben zur Folge.

Lockdown oder Infektionsherde lokal eingrenzen?

Landrat Herbert Winkel (CDU) hatte bereits am Sonntag gesagt, dass der Landkreis die Situation aufmerksam beobachte. Sollte die Marke von 50 Neuinfektionen überschritten werden, würden Konsequenzen gezogen. Allerdings heiße das nicht automatisch, dass dann der gesamte Landkreis in den Lockdown gehen müsse, sagte der Kreissprecher am Montag. Die Kreisverwaltung werde dann nach Möglichkeit versuchen, lokale Infektionsherde auch lokal einzugrenzen.

Der Landkreis bezieht sich dabei auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster, das Anfang Juli den Komplett-Lockdown im Kreis Gütersloh (NRW) gekippt hatte. Weil die Zahl der Neuinfektionen unter den Kommunen im Kreis sich erheblich unterschieden hatte, musste die Kreisverwaltung eine differenziertere Lösung finden, urteilten die Richter.

RND/dpa