Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Ein schweres Beben der Stärke 5,6 ereignete sich am Montag etwa 70 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Jakarta in Indonesien. Die Suche nach Vermissten dauert an. Quelle: IMAGO/ZUMA Wire

Zahl der Toten nach Erdbeben in Indonesien steigt – Suche nach weiteren Vermissten dauert an

Jakarta. Nach dem tödlichen Erdbeben in Indonesien haben sich die Rettungskräfte am Donnerstag zunächst auf einen bei der Katastrophe ausgelösten Erdrutsch konzentriert. In dem Gebiet um das Dorf Cijendil, im Westen der Insel Java, wurden noch Dutzende Opfer vermutet. Der Erdrutsch hatte dort Tonnen von Schlamm, Gestein und Bäumen aufgetürmt, die die Rettungskräfte mit schwerem Gerät, Presslufthämmern, Suchhunden, Detektoren und auch mit bloßen Händen durchsuchten.

Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg unterdessen auf mehr als 270. Bei 100 der bis Donnerstagmorgen (Ortszeit) bestätigten 271 Opfer handele es sich um Kinder, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde des Landes, Suharyanto, der wie viele Indonesier nur einen Namen nutzt.

Vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Indonesien fanden Suchteams die Leichen von weiteren sieben Menschen. Die Opfer waren den Behörden zufolge am Montag in einem Auto unterwegs und auf der Hauptinsel Java von Erdmassen begraben worden. „Nach dem Erdrutsch gab es 39 Vermisste, sieben davon haben wir heute gefunden“, sagte Henri Alfiandi, der Leiter der nationalen Rettungsdienste, am Freitag.

Erdbeben der Stärke 5,6

Das Beben der Stärke 5,6 hatte am Montagnachmittag den Westen der Insel Java erschüttert. Auch in der Hauptstadt Jakarta war es zu spüren gewesen. Sein Zentrum lag knapp südlich der Stadt Cianjur, eine etwa dreistündige Autofahrt von Jakarta entfernt. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS lag der Erdbebenherd in der vergleichsweise geringen Tiefe von zehn Kilometern. Das bedeutet, dass die Energie der Erdstöße kaum gemindert an die Erdoberfläche gelangt und große Schäden anrichten kann. Zudem lag im dicht besiedelten Gebiet des Bebens viel nicht erdbebensichere Infrastruktur.

Die Suche nach weiteren Opfern und Überlebenden war am Mittwoch wegen schwerer Monsunregenfälle vorübergehend unterbrochen worden. Zugleich feierten die Retter einen Erfolg: Ein Sechsjähriger wurde aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses gerettet, unter denen er tagelang eingeschlossen gewesen war.

Der Chef der nationalen Such- und Rettungsdienste, Henri Alfiandi, sagte, Rettungskräfte arbeiteten auch daran, sicherzustellen, dass in den betroffenen Gebieten keine Menschen übersehen würden, die noch evakuiert werden müssten. „Wir hoffen, dass bald alle Opfer gefunden werden können.“

Mehr als 2000 Menschen wurden verletzt, mindestens 61.000 verloren ihr Zuhause und mussten in Evakuierungszentren und anderen Notunterkünften unterkommen. Mindestens 56.000 Häuser wurden beschädigt und 171 öffentliche Einrichtungen nach offiziellen Angaben zerstört, darunter 31 Schulen.

Am Dienstag hatte Präsident Joko Widodo die besonders schwer getroffene Stadt Cianjur besucht und den Opfern und Hinterbliebenen seine Anteilnahme ausgesprochen. Jedem Bewohner der Stadt, dessen Haus beschädigt worden sei, werde die Regierung bis zu 50 Millionen indonesische Rupiah zukommen lassen (etwa 3100 Euro), sagte er.

Indonesien mit seinen mehr als 270 Millionen Einwohnern liegt am sogenannten Pazifischen Feuerring, auf dem es wegen tektonischer Verschiebungen häufig zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen kommt. Dass ein Erdbeben in Jakarta zu spüren ist, ist aber eher selten.

RND/dpa und AP