Freitag , 18. September 2020
Schauspieler Maximilian Mundt bei der Premiere des Films "Traumfabrik". Quelle: picture alliance / ZB

Maximilian Mundt: “Wir sind nicht die Erziehungsberechtigten der Zuschauer”

Am Dienstag läuft die zweite Staffel von “How to Sell Drugs Online (Fast)” (Netflix) an. Im RND-Interview spricht Hauptdarsteller Maximilian Mundt über abrasierte Haare, Kakaoabhängigheit und darüber, ob die Serie drogenverherrlichend ist. “Wir sind nicht die Erziehungsbeauftragten der Zuschauer, sondern erzählen einfach eine Geschichte, die moralisch nicht unbedingt komplett vertretbar ist”, sagt Mundt.

In einer der überraschendsten Szenen der zweiten Staffel von “How to Sell Drugs Online (Fast)” sieht man, wie Sie sich die Haare komplett abrasieren. Davon ist jetzt gar nichts mehr zu sehen.

Wir haben die Szene Anfang Februar gedreht. Die Haare sind ziemlich schnell wieder nachgewachsen. Ich hatte vor der Szene ein bisschen Angst, weil ich beim Rasieren nicht mal in einen Spiegel gucken konnte, denn da stand die Kamera. So habe ich gar nicht gesehen, wo ich den Rasierer ansetzen musste und war kurz davor, mir die Augenbraue abzusäbeln. War ein kleines Glücksspiel. (lacht)

Was haben Sie zuerst gedacht, als Sie im Drehbuch gelesen haben, dass sich Ihr Charakter die Haare abrasiert?

Tatsächlich kam die Idee dazu erst während des Drehs. Wir brauchten noch einen krassen Twist für die Folge. Dann kam jemand auf die Idee: “Lasst ihn doch die Haare abrasieren. Maxi, wie findest du das?” Dann habe ich nur gesagt: “Für eine Fünf-Sekunden-Szene? Okay, lass machen!” (lacht) Ich finde die Szene so witzig und wild und frei. Es ist ja eigentlich eine Klischeeszene, dass der Hauptdarsteller sich die Haare abrasiert und plötzlich zum durchgeknallten Bösewicht wird. Meine Schauspielagentur fand die Aktion natürlich überhaupt nicht lustig. Sie mussten mich für das ganze Frühjahr sperren, weil ich erst mal kurze Haare hatte und alternativ für andere Projekte mit Perücke hätte drehen müssen.

Würden Sie eigentlich sagen, dass die Serie drogenverherrlichend ist?

Nein. Das würde ich nicht sagen. Wir sind ja nicht die Erziehungsbeauftragten der Zuschauer, sondern erzählen einfach eine Geschichte, die moralisch nicht unbedingt komplett vertretbar ist. Aber viele Produktionen, die Netflix macht, sprengen ein bisschen den Rahmen und sind rebellischer. Es gibt ja die wahre Geschichte des Maximilian S., der Drogen aus seinem Kinderzimmer vertickt hat. Da werden manchmal Grenzen überschritten, aber ich glaube, dass wir trotzdem immer noch ein kritisches Auge auf das Thema haben und meinen Charakter Moritz ordentlich leiden lassen und ihn nicht komplett ungestraft davonkommen lassen, mit dem was er da alles macht.

Maximilian S. kam 2015 hinter Gittern. Wissen Sie, ob er Ihre Serie kennt?

Ich glaube, er hat die erste Staffel gesehen. Insgesamt ist er damals zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Davon muss er noch drei Jahre absitzen, so weit ich weiß.

Ihr Charakter trinkt in sehr vielen Szenen Kakao. Können Sie das Getränk überhaupt noch sehen?

An zwei Tagen hatte ich eine Magenverstimmung. Da wollte ich dann nicht die ganze Zeit Kakao trinken. Dann haben wir das Getränk mit Wasser aufgefüllt, aber das sieht man dann natürlich, weil der Strohhalm ja durchsichtig ist. (lacht) Aber ich bin durch den Dreh kein Kakaojunkie geworden, sondern habe danach nie wieder Kakao getrunken.

Ein anderes Markenzeichen ist der Rollkragenpulli. War der nicht zu warm beim Dreh?

Nein, ich hatte wirklich Glück, weil es beim Dreh eiskalt war – egal ob Studio oder draußen. Ich war so froh, diesen Pulli dabei zu haben. Das Studio wurde in eine verlassene Schule reingebaut. In der großen Aula wurde zum Beispiel mein Zimmer und das Wohnzimmer errichtet. Morgens zwei Stunden vor Drehbeginn gab es immer eine Probe mit den Schauspielern. Da sonst noch niemand vom Team da war, war es da immer eiskalt. Gut, dass da wenigstens mein Hals immer schön warm war. (lacht)

Können Sie eigentlich ein Geheimnis über Ihren Serienkollegen Damian Hardung verraten?

Damian kommt immer sehr gestylt ans Set. Mal mit Sakko und kleinem Einstecktuch, mal mit schickem Lederhut auf. Das ist beeindruckend, weil man diese Klamotten den ganzen Tag ja gar nicht trägt. Nur morgens und abends kurz. Ich habe meist eine Jogginghose und einen dicken Pulli an. Aber Damian kommt immer sehr gut gekleidet ans Set.

In der Serie lernt man viele Begriffe wie zum Beispiel “Catfishing”. Das bedeutet, dass Menschen mit fremden, vermeintlich attraktiveren Profilfotos versuchen, mehr Dates zu bekommen. Müssen Sie solche Begriffe vor Drehbeginn auch googeln?

Meine Schwester ist 17 Jahre alt. Dadurch bin ich noch mal näher an der Generation der Serie dran. Es ist bei mir ja auch schon sieben Jahre her, dass ich so alt war wie die Protagonisten. Das ist dann doch schon wieder eine andere Generation.

Hätten Sie denn noch ein paar gute Social-Media-Tipps für unsere Leser?

Man sollte immer vorsichtig sein, in welche WLAN-Netzwerke man sich einwählt. Ich habe den Eindruck, dass unsere Free-Wifi-Sucht uns das manchmal vergessen lässt. Außerdem kann man sich noch überlegen, ob man seine Laptopkamera abklebt. Und ganz wichtig: Vorsicht vor Catfishers. (lacht)

Ihre Mutter ist Krankenschwester, ihr Vater KFZ-Mechaniker. Da ist es fast schon zwangsläufig, dass man Schauspieler wird. Oder?

Absolut. (lacht) Mit 16 Jahren habe ich mich in einer Schauspielagentur beworben. Dann ist ein Jahr lang gar nichts passiert. Danach durfte ich für ein paar Vorabendserien drehen und habe angefangen, im Jugendclub des Thalia-Theaters zu spielen. 2015 habe ich dann den tollen Kinofilm “Radio Heimat” gedreht, und danach hatte ich so richtig Blut geleckt und wollte unbedingt weitermachen. Meine Eltern haben mir gesagt: “Mach das, was dich glücklich macht. Wir versuchen, dich so lange zu unterstützen, wie es geht. Aber wir werden dir nicht die Miete zahlen.” Ich musste mir schon selbst mein Geld reinholen. Aber ich habe immer darauf vertraut, dass es funktioniert. Und dann kam Netflix um die Ecke und wollte meine Lebensgeschichte verfilmen … (lacht)

Maximilian Mundt: “Ich bin momentan arbeitssuchend”

Apropos, wann starten eigentlich die Dreharbeiten zur dritten Staffel?

Wenn genug Leute die zweite Staffel geguckt haben. (lacht) Wir haben ja auch erst zwei Monate nach Veröffentlichung der ersten Staffel Bescheid bekommen, dass wir weiterdrehen dürfen. Es ist schon eine Ehre, dass wir die zweite Staffel machen durften. Ich hoffe natürlich, dass das Potenzial für eine dritte Staffel gesehen wird.

Drehen Sie aktuell denn etwas anderes?

Im Moment nicht. Wie heißt das so schön? Ich bin momentan arbeitssuchend. (lacht)

Von Thomas Kielhorn/RND