Dienstag , 22. September 2020
Fahrkartenkontrolleure sollen in Leipzig bereits mehrfach durch rassistische Äußerungen aufgefallen sein. Quelle: picture alliance / Jan Woitas/dp

Nach Würgegriff an Fahrgast: Leipziger Kontrolleur fiel schon vorher auf

In Leipzig hat ein Fahrkartenkontrolleur einen australischen Touristen mehrere Minuten lang gewürgt. Jetzt berichtet ein Fahrgast in einem Interview, der LVB-Mitarbeiter sei bereits zuvor für sein Verhalten ihm gegenüber aufgefallen. Und auch andere Kontrolleure der Leipziger Verkehrsbetriebe zeigen sich gegenüber Fahrgästen wenig kulant.

Leipzig. Das Video, in dem ein Fahrkartenkontrolleur in Leipzig einen Gast minutenlang in engem Würgegriff hält, sorgt derzeit in den sozialen Medien für Aufruhr. Der Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) hatte dem gebürtigen Australier so lange die Luft abgedrückt, bis dieser rot anlief. Trotz der Versuche von Außenstehenden, den Kontrolleur zu stoppen, drückte der Mann weiter zu. Die Situation sei laut Augenzeugen eskaliert, weil die Kontrolleure sich geweigert hätten, Englisch zu sprechen.

Kontrolleure zeigen sich wenig kulant

Ein Augenzeuge des Vorfalls berichtete der “Leipziger Volkszeitung” (LVZ), wie er dem 56-jährigen Kontrolleur bereits zuvor begegnet sei. Der Zeuge habe sich damals in einer Bahn ein Ticket kaufen wollen, dann aber festgestellt, dass er kein Bargeld bei sich hatte. Der Kontrolleur habe ihn danach am Aussteigen gehindert und gesagt: “Das wäre das dann wohl eine Schwarzfahrt.” Letztendlich sei der Mann aus einer anderen Tür ausgestiegen. Gegenüber der “LVZ” resümierte er, die LVB-Mitarbeiter würden “Menschen gezielt unter Druck zu setzen.”

Verbale Auseinandersetzung der Kontrolleure mit Fahrgästen seien keine Seltenheit. Im Interview mit der Zeitung äußerten sich auch andere Gäste der Leipziger Verkehrsbetriebe zum Verhalten der Mitarbeiter. Während viele ausschließlich gute Erfahrungen mit Kontrolleuren gemacht haben, äußerten sich einige jedoch auch kritisch. “Einen solch extremen Vorfall habe ich noch nicht erlebt. Aber dass ein Kontrolleur jemandem hinterherrennt, das habe ich schon gesehen”, wird ein 42-Jähriger zitiert. Eine 61-Jährige habe außerdem beobachtet, dass Fahrer und Kontrolleure Kinder aus der Bahn geworfen hätten, die ihr Ticket vergessen hatten. Sie betonte: “Gerade gegenüber Kindern und auch Touristen muss man doch kulant sein.”

Auch Kontrolleure von Angriffen betroffen

Wie die “LVZ” weiter berichtete, habe eine Frau rassistische Äußerungen eines Kontrolleurs sogar zum Anlass genommen, Anzeige gegen ihn zu erstatten. Sie habe im Mai vergangenen Jahres gehört, wie Kontrolleure gegenüber zwei Fahrgästen äußerten: “Geht zurück in euer Land, euch braucht hier keiner!” Die Anzeige der Frau sei jedoch nie weiter verfolgt worden, berichtete die “LVZ”.

Vorfällen wie diesen stehen aber auch die offiziellen Zahlen registrierter Angriffe gegen Fahrer und Kontrolleure der Leipziger Verkehrsbetriebe gegenüber. Wie die “LVZ” weiter berichtete, gehe aus einer offiziellen Erhebung hervor, dass mit 91 Fällen im Jahr 2019 fast doppelt so viele Angriffe gegen Mitarbeiter der LVB stattfanden als noch im Jahr zuvor.

Der 56-Jährige Kontrolleur, der den australischen Touristen auf dem Boden festhielt, sowie das gesamte Kontrolleurteam seien laut der Verkehrsbetriebe mittlerweile suspendiert worden.

RND/al