Dienstag , 6. Dezember 2022
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Die kanadische Sanitäterin Jayme Erickson spricht nach dem Tod ihrer Tochter auf einer Pressekonferenz. Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Sanitäterin behandelt eigene Tochter nach schwerem Autounfall – ohne zu wissen, wer sie ist

Die Geschichte einer Rettungssanitäterin aus Kanada geht derzeit um die Welt. Jayme Erickson sei schon vergangene Woche zu einem Autounfall in der kanadischen Provinz Alberta gerufen worden. Wie die „Canadian Press“ berichtete, hat sich die Sanitäterin um eine Teenagerin gekümmert, die schwer verletzt auf dem Beifahrersitz eines Unfallautos eingeklemmt war. Sie sei bei der 17-Jährigen geblieben, bis diese von Rettungskräften aus dem Auto befreit und in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Was sie dabei nicht erkannte: Sie hatte versucht, ihrer eigenen Tochter das Leben zu retten – die Verletzungen seien aber zu stark gewesen, erklärte ein Kollege von Erickson bei einer Pressekonferenz.

„Was wäre aus dir geworden?“

Im Krankenhaus starb die 17-Jährige schließlich. Erst, als Erickson nach ihrer Schicht zu Hause war, habe sie die Nachricht von der Polizei erhalten, dass es sich bei der Verstorbenen um ihre eigene Tochter gehandelt habe. „Die schwer verletzte Patientin, um die ich mich gerade gekümmert hatte, war mein eigen Fleisch und Blut. Mein einziges Kind. Mein Mini-Ich. Meine Tochter, Montana“ schrieb die Mutter in einem Beitrag auf Facebook. „Obwohl ich dankbar für die 17 Jahre bin, die ich mit ihr verbringen durfte, bin ich erschüttert und frage mich: Was wäre aus dir geworden, mein kleines Mädchen? Wer wärst du gewesen?“ Der Schmerz, den sie gerade empfinde, sei unbeschreiblich.

Richard Reed, ein Kollege Ericksons, sprach der Familie sein Mitgefühl aus: „Sowohl als Elternteil als auch als Ersthelfer kann ich Ihnen sagen, dass dies ein Albtraum ist, den sich keiner von uns hätte vorstellen können.“

Die 17-Jährige sei mit einer Freundin in dem Auto unterwegs gewesen, als sie die Kontrolle über den Wagen verloren und er von einem entgegenkommenden Lastwagen erfasst wurde, berichtete Reed. Während sich die Fahrerin habe aus dem verunglückten Auto retten können, sei Ericksons Tochter eingeklemmt geblieben. „Niemand möchte so etwas erleben“, sagte Erickson bei einer Pressekonferenz. „Sie war eine Kämpferin bis zum Tag ihres Todes und sie war wunderschön.“

Ericksons Tochter habe zudem „ein letztes Geschenk“ hinterlassen: „Sie war in der Lage, ihre Organe zu spenden, und von ihren Organen waren zwei lebensrettend“, wird Erickson von „Canadian Press“ zitiert. „Wir sind so glücklich, dass unser kleines Mädchen durch andere weiterlebt und dass sie nach dieser Tragödie anderen Menschen das Leben gerettet hat.“

RND/al