Samstag , 26. September 2020
In San Diego müssen Kunden bei Starbucks nach geltenden Regeln eine Maske tragen. Quelle: imago images/Rüdiger Wölk

Starbucks: Kundin wegen fehlender Maske nicht bedient – jetzt will sie 50.000 US-Dollar

Sie wollte bei Starbucks etwas kaufen, aber keine Maske tragen: In San Diego wurde eine Kundin deshalb aus dem Laden gebeten. Sie machte die Aktion öffentlich, doch statt ihr bekam der Barista Unterstützung – und eine Spendenaktion. Nun will die Frau die Hälfte der Spenden als Entschädigung.

San Diego. Das lief nicht, wie sich Amber Gilles das vorgestellt hatte: Mitte Juni beschwerte sich die Amerikanerin, dass sie in einer Starbucks-Filiale in San Diego nicht bedient wurde, weil sie keine Maske trug – trotz der geltenden Maskenpflicht. Sie stellte ein Bild des Barista online, der sie nicht bediente. “Ich möchte euch Lenin vorstellen, der sich geweigert hat, mich zu bedienen, weil ich keine Maske trage”, schrieb sie zu dem inzwischen gelöschten Beitrag. Das nächste Mal wolle sie die Polizei informieren – denn sie könne aus medizinischen Gründen keine Maske tragen.

Doch statt Zuspruch bekam die Frau vor allem eines: Kritik. Ein Mann, der von dem Vorfall erfuhr, startete gar eine Spendenaktion für den Barista. Was eigentlich nur dazu gedacht war, dem Mann versäumtes Trinkgeld zu geben, wurde schnell recht groß: Innerhalb kürzester Zeit kamen 105.000 US-Dollar zusammen, umgerechnet rund 92.000 Euro. Medienwirksam wurde das Geld an den 24-jährigen Lenin Gutierrez übergeben, der angab, damit seine weitere Ausbildung finanzieren zu wollen und sich den Traum vom Tanzen – seiner Leidenschaft – erfüllen zu wollen.

Amber Gilles fühlt sich diskriminiert

Das hat Amber Gilles wohl so richtig geärgert. Bereits Ende Juni hatte sie angekündigt, dass sie von dem Geld etwas abhaben wolle. Nun legt sie noch einmal nach. Der lokalen Newsplattform “ABC 10 News San Diego” erzählte sie, dass sie die Hälfte der Summe für sich beansprucht. “Das war Diskriminierung und jeder ist okay damit und nun wird dieses Verhalten unterstützt und belohnt”, sagt sie in dem Interview in dieser Woche. “Ich habe das Gefühl, dass man sich bei mir entschuldigen sollte, denn ich bin diskriminiert worden und ich bin diejenige, die krank ist”.

Sie leide an gleich mehreren Krankheiten, die ihr das Tragen einer Maske unmöglich machten: Bei einer bekomme sie Kurzatmigkeit, Schwindel und Herzrhythmusstörungen, zudem habe sie Asthma und bekomme Akne durch das Tragen einer Maske. “Ich habe Probleme mit mehreren Dingen”, sagte sie. Dafür präsentierte sie “ABC 10 News San Diego” medizinische Atteste.

Ihr Attest gegen die Maske stammt aus 2015 und vom Gynäkologen

Eines stamme von einer gynäkologischen Untersuchung aus dem Jahr 2015 und soll eine Zyste am Eierstock bescheinigen, so die Plattform, das andere sei eine handgeschriebene Notiz von einer Chiropraktikerin, dass Amber an Atemwegserkrankungen leide, durch die sie keine Maske tragen dürfe. “Chiropraktiker sind richtige, echte Ärzte. Sie haben sich der nicht-invasiven persönlichen Betreuung und Behandlung verschrieben”, entgegnete sie der Kritik auf die zweifelhaften Atteste.

Eigentlich wollte sich Amber Gilles einen Anwalt nehmen – allerdings seien diese zu teuer, erzählt sie weiter. Deshalb habe sie eine eigene Spendenaktion für sich gestartet – um sich damit einen Anwalt zu nehmen, der ihre vermeintlichen Ansprüche aus der ursprünglichen Spendenkampagne geltend machte. Lenin Gutierrez hatte der Frau auf Facebook bereits widersprochen: Sie sei aufbrausend gewesen, habe ihn nicht ausreden lassen und immer nur gesagt, dass sie keine Maske brauche.

Amber Gilles startet eigene Spendenaktion – um sich einen Anwalt leisten zu können

In der Beschreibung zu ihrer Spendenaktion schreibt Amber Gilles: “Ich werde auf Medienplattformen zum Schweigen gebracht und zensiert. Ich werde verleumdet und diffamiert, er hat mein Foto und meine persönlichen Daten ohne meine Erlaubnis verwendet.” Mit “er” meint sie den Mann, der die Spendenkampagne für den Barista gestartet hat. “Man hat mir Morddrohungen geschickt, sogar gegen meine Kinder, man hat unangemessene Hassbriefe an meine Adresse geschickt”, klagt die Frau. Sie schrieb, dass Lenin Gutierrez bei ihrem Besuch eingewilligt habe, dass sie ein Foto macht – sie hingegen habe niemandem ihr Einverständnis gegeben. Gutierrez hatte auf Facebook behauptet, nicht gewusst zu haben, dass die Frau ein Bild machte und hochladen wollte.

Bisher läuft es allerdings noch nicht ganz so gut für Amber Gilles. Bis Samstagabend kamen gerade einmal 525 US-Dollar zusammen – darunter auch viele 5-Euro-Spender, die sich über den schlechten Charakter der Frau echauffieren.

RND/msk