Dienstag , 20. Oktober 2020
Liebt ihren Wacholderschnaps: Queen Elizabeth II., in deren Royal Collection Shop es auch teure Minzschokolade und königliche Kuschel- und Paradekissen gibt.

Nicht nur Gin: Die Queen verkauft auch Socken, Pralinen und Kissen

Im Royal Collection Shop gibt es vielerlei – von der Königsschokolade bis zum Königinnengeschmeide –, und demnächst auch den Buckingham-Gin. Die Qualität der Waren hebt sich dabei ab vom in China gefertigten Ramsch der Londoner Souvenirläden. Und die Einnahmen verwandeln sich nicht etwa in Taschengeld für die Royals.

Zartblau ist die Karaffe, die goldene Krone auf der Flasche von einem blumenumrankten Diadem eingekreist. Das britische Königshaus verkauft königlichen Alkohol in seinem Royal Collection Shop . Ein bisschen müssen die Ginmaniacs noch warten: Ab Montag, 31. August, ist der “Buckingham Small-Patch Dry Gin” zu haben – versandt wird die alkoholische Leckerei aus den Gärten von Königin Elizabeth II. zum Preis von 40 Pfund allerdings nur an Leute mit Wohnsitz im UK, dazu nur an solche, die älter als 18 sind. Europa, nein danke. Cheers! statt Santé!, Skoll! oder Wohlsein!

Man kann sich fühlen wie Queen Victoria

Der Gin ist nur die neueste Ware, mit der die Royals werben: Auf der Website royalcollectionshop.co.uk/gifts gibt es auch Anhänger für das Armband in der Gestalt des runden Windsor Towers, der Krone oder des Reichsapfels von Königin Victoria (jeweils für 45 Pfund) oder das in ein kostbar anmutendes violettes Etui geschlagene Queen Victoria Tea Set (Kanne, Milchkännchen, Zuckerschale), eine Nachbildung des Originals, das 1851 für die “Great Exhibition”, die erste Weltausstellung im Londoner Hyde Park, kreiert wurde. 130 Pfund muss man opfern, dann darf man vornehm den kleinen Finger abspreizen und sich zur Tea Time fühlen wie jene füllige Frau, die 63 Jahre lang über weite Teile der Welt herrschte und einem ganzen Zeitalter ihren Namen gab.

Was es noch gibt? Socken mit Corgis, den Lieblingshunden der Königin – für Kinder in Rosa und Blau (knapp 8 Pfund), für Erwachsene in allen Farben (16 Pfund), Holyroodhouse-Palastschokolade in Bitter und Vollmilch oder Windsor-Castle-Schokolade mit Orange oder Minze (knapp vier Pfund), Buckingham-Kekse (11 Pfund), Buckingham-Trüffelpralinen (14 Euro) oder ein “God save the Queen”-Kissen (45 Pfund).

Dann ist da noch ein handgefertigtes Erinnerungstablett an den 70. Geburtstag des Prince of Wales vom 14. November 2018. Dafür muss man zwar stolze 145 Pfund berappen, nennt dann allerdings ein rot-gold-blaues auf 500 Exemplare limitiertes besonderes Schätzchen sein eigen. Das offenbar nicht der allerheißeste Renner war. Man kann dann seine Victoria-Tasse auf dem Charles-Tablett zum Spülbecken tragen. Königliches Halsgeschmeide von Vicki Sarge mit violetten und grauen Swarovskikristallen kostet bis zu 595 Pfund. Das meiste davon darf – anders als der Gin der Königin – auch von jenseits des UK bestellt werden. Derzeitiger Stand des Pfundes Sterling: 1,10 Euro.

Es gibt im Shop nur Erlesenens, keinen Billigtand

Selbst sind die Royals. Zwar gibt es auch in den vielen Souvenirläden in London und umzu genug königlichen Kokolores, aber der stammt meist aus China und ist natürlich nicht autorisierter Tand. Die Waren des Royal Collection Shop dagegen sind aus erlesenen Materialien, schließlich hat man einen Ruf zu verlieren. Die Königin selbst, so heißt es, hat sich längst damit abgefunden, dass die Familie ähnlich popstarmäßig vermarktet wird wie die Beatles, Take That oder Ed Sheeran.

Und lieber hat man viele Royal-Tassen im Schrank des eigenen Ladens, als nur Fremde damit verdienen zu lassen. Die Verramschung der Windsors läuft übrigens schon seit mehr als 70 Jahren: Zur Heirat von Elizabeth hatten Händler anno 1947 Taschentücher mit den Porträts des Hochzeitspaares fertigen lassen. Damals galt die Vorstellung eines in solche Tücher schnaubenden Pöbels als absolut “disgusting”. Die royalen Rotzfahnen wurden zum Bestseller.

Die Harry-Meghan-Teller waren schnell verschwunden

So gab es auch mal einen Hochzeitsteller von William und Kate zu deren Vermählung – der war schnell vergriffen. Und als Harry und Meghan ihren Megxit kundtaten, waren die Memorabilia an deren Hochzeit im Frühjahr 2018 schon tags darauf von der königlichen Bestellwebsite verschwunden. Auch hier vermeldete eine Sprecherin der Royal Collection den Ausverkauf und dass eben viele Artikel aus dem Queen-Shop nur zeitlich begrenzt im Angebot seien. Gemunkelt aber wurde, dass, wer nicht mehr für seine Familie aktiv sein will, auch nicht mehr im Souvenirshop so tun soll, als ob.

Wer im Royal Collection Shop Krönchenschmuck, Nippes oder königliche Geschirrtücher erwirbt, füllt übrigens nicht etwa das private Portemonnaie der Prinzen Philip, Charles oder William. Alle Einnahmen aus dem Royal Collection Shop fließen in den Royal Collection Trust. Das ist eine Stiftung, mit der die königlichen Kunstsammlungen unterhalten werden.

Von Matthias Halbig/RND