Freitag , 23. Oktober 2020
Der Mann, der mindestens acht Frauen vergewaltigt haben soll, wurde am Dienstagabend festgenommen. Quelle: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d

Ermittler über Berliner Vergewaltiger: “Nach der Tat um die Opfer ‚gekümmert‘”

Seit Juni hielt ein Vergewaltiger die Behörden in Atem, der für mindestens acht Gewaltverbrechen verantwortlich sein soll. Am Dienstagabend wurde ein Mann in Berlin-Wannsee festgenommen. In einer Pressekonferenz gaben die Ermittler nun Details bekannt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat auf einer Pressekonferenz am Mittwochmittag weitere Details zu dem festgenommenen mutmaßlichen Serienvergewaltiger bekannt gegeben. Oberstaatsanwalt Georg Bauer verkündete, dass durch die Festnahme vom Dienstag eine Tatserie von acht versuchten und vollendeten Vergewaltigungen aufgeklärt zu sein scheint. Durch akribische Ermittlungsarbeit sei ein 29-Jähriger von serbischer Staatsangehörigkeit als mutmaßlicher Täter festgestellt worden. Der Beschuldigte werde zeitgleich beim Amtsgericht Tiergarten vorgeführt.

Der Beschuldigte schlug zu belebten Zeiten zu

Nora Schürmann vom Landeskriminalamt ging auf das ähnliche Tatmuster des Vergewaltigers ein. Er habe immer zu belebten Zeiten zugeschlagen. Er habe die Frauen dabei zunächst freundlich angesprochen, sie dann aber mit Gewalt in entlegene Ecken gezerrt. Die Opfer hätten es ob der massiven Einschüchterungen unter Gewaltanwendung nicht gewagt, um Hilfe zu rufen. Ungewöhnlich sei das Verhalten des Täters nach seinen Verbrechen. Er habe sich um seine Opfer “gekümmert”, habe auch versucht, sich mit ihnen für den nächsten Tag zu verabreden. Worauf manche der Opfer zum Schein eingegangen seien.

Dr. Oskar Vurgun von der Brandenburger Polizei erläuterte den erfolgreichen Einsatz am Dienstag. Um 11.30 Uhr habe eine Frau bei der Einsatzleitstelle angerufen, die ein vermeintliches Vergewaltigungsopfer getroffen habe. Schon um 11.33 Uhr seien erste Absperrmaßnahmen bei dem Brandenburger Waldstück getroffen worden. Anwachsend seien 83 Polizisten länderübergreifend im Dienst gewesen. Mit einer Suchkette, Drohnen, Hunden und einem Hubschrauber sei gesucht worden.

Einen ersten Sichtkontakt habe es dann um 12.15 Uhr gegeben. Der Tatverdächtige habe sich in dem sehr eng bepfadeten, mit sehr viel Dickicht bewachsenen Waldstück zunächst verstecken können. Die Polizei stellte jedoch sein Fahrrad und auch ein Handy sicher, das entsperrt war und dessen Daten deshalb leicht ausgewertet werden konnten.

Eine Wärmebildkamera spürt den Täter auf

Gegen 18.45 Uhr sei dann ein Polizeihubschrauber zu einem Wärmebildeinsatz ausgeschickt worden, der um 19.10 Uhr Erkenntnisse an die Zugriffstaffel schickte. Der vermeintliche Täter versuchte neuerlich, dem Zugriff zu entkommen, lief über Gleisanlagen und konnte schließlich im nördlichen Babelsberg auf Berliner Gebiet festgenommen werden.

Staatsanwältin Katrin Frauenkron erklärte, dass durch ähnliche Täterbeschreibungen bei zwei von drei Vergewaltigungsfällen im Juni der Verdacht aufgekommen sei, es könne sich um eine Tatserie handeln. DNA-Vergleiche bestätigten den Zusammenhang zwischen den Verbrechen, auch eine Tat, die in Bernau geschehen war, konnte demselben Täter zugeschrieben werden. Dort hatte es auch eine Überwachungsaufnahme gegeben. Mit diesem Foto und dem gezeichneten Phantombild nach einer weiteren Tat sei man schließlich an die Öffentlichkeit gegangen. Durch Fingerabdruckspuren nach einem Laubeneinbruch hätten dann die Personalien des Mannes festgestellt werden können. Am gestrigen Dienstag sei der Haftbefehl ausgestellt worden.

Schon in der Einladung zu der Pressekonferenz hatten die Behörden von einem “Ermittlungserfolg” gesprochen. Zu Klagen des Tatverdächtigen über erlittene Verletzungen konnte Vurgun in der Pressekonferenz nichts sagen. Der Verdächtige sei vorübergehend ins Krankenhaus verbracht worden. In Gewahrsam habe er heftig Widerstand geleistet.

Mit einer erheblichen Freiheitsstrafe ist zu rechnen

Staatsanwältin Kronjäger rechnet mit einer erheblichen Freiheitsstrafe. Drei der Taten seien besonders schwere Vergewaltigungen gewesen. Dafür gebe es bis zu fünf Jahren Haft – pro Tat.

RND/big