Donnerstag , 22. Oktober 2020
ARCHIV - 11.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Alsdorf: Ein Haus wird von der Polizei mit Unterstützung des THW durchsucht. Hier wurde im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ein Verdächtiger festgenommenen und seine Wohnung durchsucht. Im Fall Bergisch Gladbach sind die Ermittler auf Spuren von mehr als 30 000 Verdächtigen gestoßen. Das hat NRW-Justizminister Biesenbach (CDU) am Montag in Düsseldorf mitgeteilt. In Foren und Messengerdiensten gingen die Pädo-Kriminellen ganz unverhohlen mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps. Foto: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Dagmar Meyer-Roeger/dmp press/dp

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach: Prozess-Start steht fest

Am 10. August beginnt das Verfahren im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach gegen einen 43 Jahre alten Mann. Von ihm waren die Ermittlungen in dem Fall ausgegangen. Ermittler hatten im vergangenen Oktober die Wohnung des Mannes in Bergisch Gladbach durchsucht und dabei riesige Mengen kinderpornografischen Materials gefunden.

Köln/Bergisch Gladbach. Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach beginnt am 10. August das Verfahren gegen einen 43-Jährigen, von dem die Ermittlungen ausgegangen waren. Beim Auftakt soll nur die Anklage verlesen werden, wie das Landgericht Köln am Montag mitteilte. Erst für den zweiten Verhandlungstag am 17. August ist laut Gericht angekündigt, dass sich der Angeklagte zu den Vorwürfen äußert. Bisher hatte er dazu geschwiegen.

Im Ermittlungsverfahren habe er bei der Identifizierung seiner Chat-Partner mitgeholfen. Da für den gelernten Koch und Hotelfachmann die Unterbringung in einer Sicherungsverwahrung in Betracht komme, werde er durch einen psychiatrischen Sachverständigen begutachtet. Eines der laut den Anklagevorwürfen geschädigten Mädchen ist Nebenklägerin in dem Verfahren.

Ermittler hatten im vergangenen Oktober die Wohnung des 43-Jährigen in Bergisch Gladbach durchsucht und dabei riesige Mengen kinderpornografischen Materials gefunden. Bei ihrer Arbeit in dem Komplex sind die Ermittler nach früheren Angaben des NRW-Justizministeriums auf Spuren gestoßen, die zu potenziell mehr als 30 000 Verdächtigen führen könnten.

Es gehe dabei nicht nur um die Verbreitung und den Besitz von Kinderpornografie, sondern auch um schweren Kindesmissbrauch. Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum. In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um, heizten sich an und gäben sich Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern am besten verabreiche, um sie sexuell zu misshandeln, hatte das Ministerium Ende Juni mitgeteilt.

Ein Täter war im Zusammenhang mit dem Komplex vom Landgericht Kleve Ende Mai zu zehn Jahren Haft und dauerhafter Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt worden. Zwei weitere Angeklagte stehen in Mönchengladbach vor Gericht.

RND/dpa