Donnerstag , 24. September 2020
Der Rosenkrieg zwischen Johnny Depp und seiner Ex-Frau Amber Heard gibt Einblicke in eine Ehehölle. Quelle: Getty Images

Johnny Depp vs. Amber Heard: Ein unappetitliches Hollywooddrama

Eigentlich zog Schauspieler Johnny Depp vor Gericht, um sein angekratztes Image aufzupolieren. Doch der Rosenkrieg mit Amber Heard gibt einen Einblick in die Abgründe einer 15-monatigen Ehehölle zwischen ihm und seiner Ex-Frau. Die Frage, die sich dabei stellt, ist: Wer von den beiden ist hier eigentlich das Monster?

Ja, man hat eine Schlammschlacht befürchtet. Die bunten Blätter mögen sich auch auf einen hollywoodreifen Rosenkrieg gefreut haben. Doch was bislang aus dem Innern des Londoner High Court an die Öffentlichkeit gedrungen ist, dürfte die Vorstellungskraft der meisten Beobachter weit übertreffen. Der Prozess zwischen Johnny Depp und dem Verlag der Boulevardzeitung “The Sun” gibt einen Einblick in die Abgründe der 15-monatigen Ehehölle zwischen dem US-Schauspieler und seiner Ex-Frau Amber Heard.

Der 57-Jährige nannte die Beziehung am vierten Tag im Zeugenstand “kompliziert”. Dies dürfte der Euphemismus des Jahres sein. Das Drama ihrer Ehe klingt vielmehr völlig irre. Wie die beiden nach all den jetzt schon bekannt gewordenen Absurditäten und Abscheulichkeiten jemals wieder erfolgreich im Filmbusiness arbeiten können, bleibt die große Frage. Zur Erinnerung: Depp will eigentlich mit dem Prozess sein Image aufpolieren. Er reichte eine Verleumdungsklage gegen die “Sun” ein, nachdem die ihn in einem 2018 veröffentlichten Artikel als drogenkranken “wife beater”, “Frauenschläger”, bezeichnet und sich dabei auf Aussagen von Heard berufen hatte. Nun aber werden so viele widerwärtige Details bekannt, dass man die Sinnhaftigkeit des Vorgehens von Depp zumindest in Zweifel ziehen kann. Gestern legte der einstige Sexiest Man Alive und Golden-Globe-Preisträger, dem die Drogen- und Alkoholexzesse deutlich anzusehen sind, zum fünften und letzten Mal seine Sicht auf die Dinge dar. “Ich weiß nicht, wer Johnny Depp ist”, sagte er vergangene Woche. Immerhin scheint er zu wissen, dass er niemals gegenüber einer Frau gewalttätig geworden sei, wie er mehrfach betonte.

Depp hat all die Vorwürfe seiner Exfrau zurückgewiesen, etwa dass er sie geschlagen habe, nachdem sie sich über sein Tattoo “Wino forever” – Wino steht für Alkoholiker – lustig gemacht habe. Depp hatte sich während seiner Beziehung mit Winona Ryder die Tätowierung “Winona forever” stechen und diese nach der Trennung verändern lassen. Depp stellte in den vergangenen Tagen Heard als verrückt, kontrollsüchtig und aggressiv dar, die ihn nur geheiratete hätte, um ihre Schauspielkarriere voranzubringen – eine “narzisstische Soziopathin”, wie er meinte. Heard wäre ihm gegenüber gewalttätig geworden. So habe sie etwa im Streit eine Wodkaflasche nach ihm geworfen und ihm dabei eine Fingerkuppe abgetrennt, sodass der Knochen zu sehen gewesen sei.

Depp und Heard stellen sich gegenseitig als Monster dar

Vorläufige Bilanz: Der Stoff dieses Dramas ist zutiefst unappetitlich. Es sind viel Alkohol und Drogen im Spiel und vor allem heftige Streits. Beide stellen sich gegenseitig als Monster dar. Als Beobachter verliert man leicht den Überblick. In den nächsten Tagen sollen Depps Ex-Partnerinnen Vanessa Paradis, mit der er zwei Kinder hat, und Winona Ryder per Videolink aussagen. Beide Frauen gaben wiederholt zu Protokoll, nie von ihm misshandelt worden zu sein. Im Laufe des auf drei Wochen angesetzten Prozesses will auch Amber Heard ihre Seite vor Gericht ausbreiten. Ihre Reputation ist nach den ersten Tagen deutlich angeschlagen. So zierte die 34-Jährige etwa am Wochenende als “Amber Turd” die britischen Zeitungen – es ist die fäkalisierte Form ihres Nachnamens, die Depp im Scherz kreiert hat, wie man erfahren musste. Das Wort lässt sich als “Scheißhaufen” ins Deutsche übersetzen. Eben einen solchen habe sie absichtlich auf dem Ehebett hinterlassen, behauptete der US-Amerikaner vergangene Woche. Es habe sich um ihre Rache dafür gehandelt, dass er zwei Stunden zu spät zur Party zu ihrem 30. Geburtstag erschienen war. Angestellte hätten die Sauerei am Tag darauf in den Laken entdeckt. Und Depp habe nach dieser Episode beschlossen, sich scheiden zu lassen. Heard dagegen sagt, der Haufen sei das Werk ihres unter Verdauungsproblemen leidenden Hundes Boo gewesen.

In einer anderen nun überlieferten Episode soll Depp den zweiten Hund Pistol einmal während einer Autofahrt drohend aus dem Fenster gehalten haben. Natürlich will man all diese zutiefst traurigen Enthüllungen eigentlich gar nicht wissen. Der Fall bestätige “unsere schlimmsten Befürchtungen über Hollywood”, schrieb die “Daily Mail” und hat ihr Urteil bereits gefällt: “Letztendlich kann es hier keinen Gewinner geben.”

RND/Katrin Pribyl