Montag , 28. September 2020
Die Polizei ermittelt wegen Mordes und Körperverletzung gegen den 13-Jährigen. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Beim Spielen: 13-Jähriger erschießt seinen kleinen Bruder

Sie spielten Räuber und Gendarm, dann löste sich ein Schuss: In Pennsylvania hat ein 13 Jahre alter Junge seinen neunjährigen Bruder erschossen. Kritik regt sich, weil der Teenager nach Erwachsenenstrafrecht vor Gericht gestellt werden soll. Ermittler werfen dem Jugendlichen vor, vorsätzlich geschossen zu haben.

Waynesboro. Sie spielten Räuber und Gendarm, doch es endete tödlich: In Pennsylvania hat ein 13-Jähriger seinen neunjährigen Bruder mit einem Schuss in den Kopf getötet. Die geladene Handfeuerwaffe hatte er aus dem Wohnzimmer geholt. Vater Mark Synder bewahrte dort zwei Waffen zur Selbstverteidigung auf. Nun muss sich der Teenager Braydon Leroy Wright wegen Mordes verantworten – und zwar nach Erwachsenenstrafrecht. Das berichtet “PennLive News”.

Das Unglück hat sich am Mittwochmorgen gegen 6 Uhr ereignet. Braydon Leroy Wright selbst hatte die Rettungskräfte alarmiert, sein Bruder lebte zu diesem Zeitpunkt noch. Das Kind starb später im Krankenhaus infolge der Schussverletzung sowie einem Herzstillstand. Laut Ermittlern sei die Kugel durch den Schädel des Neunjährigen gedrungen.

Bruder verweigerte sich Befehl im Spiel: Dann schoss der 13-Jährige

Im Verhör habe der 13-Jährige angegeben, dass sein Bruder sich auf das Sofa gelegt habe, um Youtube-Videos auf seinem Handy anzuschauen, statt seinem Befehl als Spielpolizist Folge zu leisten. Er habe gesagt, wütend auf seinen Bruder gewesen zu sein, weil der ihm nicht gehorchte – und dann abgedrückt zu haben. Er habe gewusst, dass die Waffe geladen war. Die Waffe legte er nach der Tat zurück in die Sofakonsole, woraus er sie zuvor entnommen hatte. Seither sitzt der Jugendliche in Haft und kann auch nicht gegen Kaution entlassen werden.

Der Onkel der Kinder hat eine Spendenaktion gestartet, zum einen, um die Ausgaben rund um das Begräbnis des Neunjährigen zu decken, zum anderen für die Verteidigung des 13-Jährigen. “Der Tag hat unsere Leben für immer verändert. Wir haben nicht nur unseren geliebten kleinen Jungen verloren, wir können auch seinen 13 Jahre alten Bruder verlieren”, schreibt Kelly Wright, der den großen Bruder als “auch nur ein Kind” bezeichnet.

Anklage nach Erwachsenenrecht: “Er ist noch ein Baby”

Kritik regt sich am harschen Vorgehen der Ermittler. “Beide sind Babies”, schreibt ein Spender. “Dieses Kind kann die Konsequenzen seines Verhaltens nicht vollkommen verstehen”, ein anderer, “der Junge braucht eine Therapie, um mental gesund zu werden, und keinen Gefängnisaufenthalt.” Eine Frau sagt, ein 13-Jähriger habe nicht die Reife und die kognitiven Fähigkeiten eines Erwachsenen und sollte demnach auch nicht so bestraft werden. Eine Jura-Studentin bot ihre Hilfe an. “Dieser Junge verdient es nicht, ins Gefängnis zu kommen. Wie sie mit ihm umgehen, ist gegen die Konstitution.”

Andere wiederum kritisieren die Eltern, die noch drei Töchter haben, für den laschen Umgang mit den Waffen: “Kinder sollten früh über die Gefahren von Waffen aufgeklärt werden, um voll zu verstehen, was sie auslösen können.” Rechtliche Konsequenzen gibt es für die Eltern allerdings nicht. Der Jugendliche hingegen hat am heutigen Montag die erste Anhörung vor Gericht.

RND/msk