Samstag , 31. Oktober 2020
“Tragende Beweise”: Die Britin Madeleine McCann lächelt auf einem undatierten Kinderfoto vor ihrem Verschwinden vor 13 Jahren. Die portugiesischen Ermittler halten den 43-jährigen Deutschen Christian B. für den Verantwortlichen im Fall “Maddie”. Quelle: Uncredited/AP/dpa

Fall “Maddie” – Portugals Polizei sucht in tiefen Brunnen

Die Polizei von Portugal suchte mit speziell geschulten Feuerwehrleuten in den tiefen Brunnen von Vila do Bispo nach dem Leichnam von Madeleine McCann. Das Mädchen wurde nicht gefunden, doch die Ermittler glauben, “tragende Beweise” für die Schuld des verdächtigen Deutschen Christian B. zu haben. Der Fernsehsender RTP brachte B. mit einem weiteren Vermisstenfall an der Algarve in Verbindung.

Die portugiesische Polizei hat Suchaktionen nach dem Leichnam des für tot gehaltenen Entführungsopfers Madeleine McCann durchgeführt, wie die Tageszeitung “Daily Mail” in ihrer Onlineausgabe berichtet. Das als “Maddie” bekannte Mädchen war in Portugal im Alter von drei Jahren verschwunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 43-jährigen Christian B., der derzeit in Deutschland wegen Drogenhandels auf Sylt eine Haftstrafe absitzt.

Zwei Drittel von Brückners Strafe sind verbüßt. Ihn erwartet aber nach einem Urteil des Landgerichts Braunschweig vom Dezember 2019 eine weitere Strafe von 7 Jahren, weil er 2005 in Praia de Luz eine 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt hatte.

Spezielle Feuerwehrleute kletterten in die Brunnen

Die portugiesischen Ermittler suchten in Vila do Bispo an der Algarve, das 20 Minuten Autofahrt westlich von Praia de Luz liegt, wo Maddie im Mai 2007 spurlos verschwunden war. Die Suche konzentrierte sich auf die tiefen Brunnen der Gegend, die mit Hilfe von speziell für Rettungseinsätze ausgebildeten Feuerwehrkräften durchgeführt werden. Bislang wurde einem Bericht der Zeitung “Correio de Manha” zufolge bei den Brunnenchecks nichts gefunden.

Laut der “Daily Mail”, die sich auf den staatlichen Fernsehsender Radiotelevisão Portuguesa (RTP) beruft, hätte die portugiesische Polizei “tragende Beweise”. Sie sei in der Lage zu beweisen, dass der verdächtige B. verantwortlich für das Verschwinden der kleinen Madeleine sei. RTP brachte B. mit einem weiteren Vermisstenfall im Algarve-Urlaubsort Silves in Verbindung.

Außerdem berichtete die RTP-Reporterin Sandra Felgueiras in der Vorwoche, dass B. im Jahr 2017 unter dem Verdacht festgenommen worden war, sich auf einem Spielplatz in der Nähe von Praia de Luz entblößt zu haben. Damals sei er auf der Flucht vor den deutschen Behörden gewesen.

Gesucht wird der Nutzer einer Handynummer

Auf Christian B.s Spur kamen die Ermittler nach eigenen Angaben bereits durch einen Hinweis nach einer ZDF-Sendung zum Fall Maddie im Oktober 2013. Am 3. Mai 2007 soll der Verdächtige zu “tatrelevanter” Zeit in Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Die Fahnder sind daher immer noch auf der Suche nach dem Nutzer einer portugiesischen Handynummer, die in der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY … ungelöst” am 1. Juli eingeblendet wurde.

Ein BKA-Ermittler appellierte an alle Zuschauer, die bis Juni 2007 Kontakt zu portugiesischen Telefonnummern hatten, in ihren alten Handys, Telefonbüchern oder Rechnungen nach der Nummer zu suchen.

Nach der Fahndungssendung gingen neue Hinweise ein. Allgemein brachten Fernsehsendungen, die sich seit Juni mit dem Fall Maddie und der möglichen Täterschaft des 43-jährigen Deutschen beschäftigten, den Behörden 800 Hinweise. B. hat jegliche Beteiligung an Madeleines Verschwinden bestritten. In einem Video des “Spiegel” wird der Fall aufgerollt.

RND/big/dpa