Sonntag , 1. November 2020
Back Again: Koalas in Eukalyptusbäumen – als hätte es die apokalyptischen Buschfeuer nie gegeben.

Nach den Buschbränden in Australien: Sechs Koalas kehren in ihre Heimat zurück

Erstmal eine Portion Eukalyptusblätter verputzen – fünf Koalas und ein Baby sind ins Tidbinbilla-Naturreservat zurückgekehrt. Sie waren vor dem Feuer im Orrora Valley gerettet worden. Nach der Erneuerung des Koalageheges fühlten sich die Geretteten in ihrer Heimat schnell wieder zu Hause.

Koalas sind derzeit die Lieblingstiere von noch mehr Millionen Menschen als sonst. Sie stehen für die geschundene Tierwelt Australiens, für die geschätzt eine Milliarde Tiere, die bei den verheerenden Waldbränden auf dem fünften Kontinent ums Leben kamen, für das Überleben und die Hoffnung.

Die Corona-Krise hat das Augenmerk der Welt vom Klimawandel und der verbrannten Welt abgezogen. Aber immer, wenn von Koalas die Rede war und ist, erinnert man sich an das monatelange Flammenmeer. Man trauerte, wenn man hörte, dass wieder ein Tierchen seinen Brandwunden erlegen war, und man freute sich über Berichte, wenn es mit einigen der Beutelsäuger bergauf ging.

Die Heimkehr ins Gehege: Aus den Boxen in die Eukalyptusbäume

Jetzt kehrten fünf Koalas in das Koalagehege des Tidbinbilla-Naturreservat südwestlich der australischen Hauptstadt Canberra zurück, wie ein Video der Naturschützer bei Facebook zeigt und wie “Riotact.com” berichtete. Sie klettern darin anfangs noch etwas vorsichtig aus ihren Boxen, kraxeln dann aber schnell in die Bäume, wo sie sich erst mal an den Eukalyptusblättern laben.

Zu den fünf erwachsenen Tieren kommt ein kleines, noch namenloses Bärchen, das vor ungefähr drei Monaten geboren wurde und sich noch im Beutel der Mutter befindet. Die Mitarbeiter von ACT Parks and Conservation vermuten, dass es sogar noch einen weiteren (winzigen) Koalanachwuchs gibt.

“Das Jungtier wird seinen Kopf in ein paar Monaten aus Mamas Beutel stecken”, sagt ACT-Teamleiterin Sarah May, “und dann wissen wir, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Und ein Jahr später wird sich das Kind dann von der Mutter abgenabelt haben.”

Möglicherweise ist auch Scully schon Mutter

Die Mutter des Kleinen heißt Yellow. Jed ist das Alphamännchen der Gruppe, zu der auch sein Sohn Billa gehört. Zu den fünf Koalas zählen außerdem noch das Männchen Gulu und das Weibchen Scully – das möglicherweise auch schon Mutter ist.

Das Koala-Quintett war im Februar vor dem verheerenden Feuer im Orrora Valley und den dort nachfolgenden Regenfluten aus Tidbinbilla zur Australian National Universität evakuiert worden. Nach Tidbinbilla kehrten die Tiere schon unmittelbar nach dem Ende der Katastrophe zurück, wurden aber hinter den Kulissen aufgepäppelt, während Mitarbeiter das Koalagehege im Eukalyptuswald renovierten.

Alle Tiere, so Dr. May, seien in exzellenter Verfassung: ”Es ist toll, sie wieder hier zuhaben. Das ist ein weiterer Stein im Puzzle, der zeigt, dass wir nach einer fürchterlichen Zeit langsam aber sicher wieder in den Normalmodus zurückkehren.”

Das Naturschutzgebiet Tidbinbilla besteht seit 1936 und ist inzwischen von 8,1 Quadratkilometer auf 54,2 Quadratkilometer Fläche gewachsen. Tidbinbilla ist der natürliche Lebensraum für – unter anderem – Kängurus, Wallabys, Emus, Schnabeltiere und Koalas.

2003 starben alle Tidbinbilla-Koalas in einem Buschfeuer – bis auf “Lucky”

Es ist jedoch auch in Tidbinbilla kein gefahrfreies Dasein möglich. Schon vor 2019/2020 wüteten hier unsägliche Feuer – im Januar 2003 wurden 99 Prozent der Fläche des Reservats durch Buschfeuer verwüstet. Damals kamen alle Koalas bis auf einen ums Leben, der danach “Lucky” – Glückspilz – getauft wurde.

In Tidbinbilla gibt es einen 17 Hektar großen Eukalyptuswald für die Koalas, der die Tiere durch einen Zaun vor Raubtieren schützt. Tidbinbillas Anfänge im Schutz bedrohter Tierarten lagen in einem Koalaprogramm, das 1939 begann.

RND/big