Donnerstag , 29. Oktober 2020
Freie Fahrt für alle Bürger: In Rostock fahren Bahnen durch die Innenstadt. Quelle: Danny Gohlke/dpa

Rostock testet Gratisnahverkehr für alle

Die Stadt Rostock will seinen Bürgern den Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen schmackhaft machen. Wie das gelingen kann, will die Hansestadt in Kürze testen: An vier Tagen wird der Nahverkehr für alle gratis sein.

Rostock. Die Fahrt in Bahn und Bus kostet keinen Cent. Was klingt wie ein Verkehrskonzept der Zukunft, könnte in Rostock bald Wirklichkeit werden. Zumindest für ein paar Tage. Nach Informationen der “Ostsee-Zeitung” (OZ) plant die Hansestadt noch in diesem Jahr einen Gratisnahverkehr für alle Bürger. An den vier Samstagen im September soll sich niemand für Straßenbahnen, Busse und auch S-Bahnen einen Fahrschein kaufen müssen. “Ja, wir wollen die Stadt so lebenswerter machen”, bestätigt Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen der Zeitung. Rostock könnte damit zum Vorbild für die anderen großen Städte im Land werden.

Angebot soll auch dem Handel helfen

Das Angebot soll vor allem dem von der Corona-Krise geplagten Handel helfen und mehr Menschen zum Shoppen in die Innenstadt locken. Doch die Mobilitätsplaner in der Verwaltung sehen die Aktion auch als Testballon, ob der Service überhaupt angenommen wird.

Seit 2018 fördert die Bundesregierung mit insgesamt 128 Millionen Euro in fünf Modellstädten einen komplett kostenlosen Bus- und Bahnverkehr. Auch Rostock hatte sich, so Umweltsenator Holger Matthäus gegenüber der “OZ”, damals beworben. “Ausgewählt wurden aber nur Städte mit akuten Problemen bei der Luftverschmutzung.” Und die gibt es in Rostock nicht mehr. Auch in der Stadtpolitik wurde immer wieder über einen kostenlosen ÖPNV diskutiert. Nur: Leisten kann sich die Stadt das auf Dauer nicht. Allein die vier Samstage kosten die Stadtkasse nach “OZ”-Informationen gut 160.000 Euro. Die Aktion auf das ganze Jahr auszuweiten würde wohl mit 15 bis 20 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Im kleinen Luxemburg fährt jeder gratis

Andere Länder machen es vor: Als erstes Land der Welt hat Luxemburg den kostenlosen Nahverkehr eingeführt. 41 Millionen Euro pro Jahr zahlt der Staat dafür. Die Kosten für die Gratisfahrten finanziert das reiche Großherzogtum aus Steuermitteln. Doch das Luxemburger Modell ist schwer vergleichbar mit Deutschland. Nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen hätten die Betreiber von Transportmitteln durch kostenfreies Fahren in der Bundesrepublik eine Einnahmelücke von etwa 12,8 Milliarden Euro. Diesen Betrag müsste der deutsche Staat zuschießen.

RND/OZ/hma