Freitag , 25. September 2020
Die Beschuldigten sollen Bleichmittel als Wundermedikament gegen Corona verkauft haben. (Symbolbild)

Familie verkauft Bleichmittel als Medikament gegen Corona – mehrere Tote

In den USA starben mehrere Menschen, nachdem sie ein Bleichmittel als vermeintliches Wundermedikament gegen das Coronavirus eingenommen haben. Jetzt ermittelt die Polizei gegen einen Vater und dessen drei Söhne, die den giftigen Mix erfolgreich vertrieben und dafür sogar eine vermeintliche Glaubensgemeinschaft gegründet haben.

Die US-Justiz hat ein Strafverfahren gegen vier Männer eingeleitet, die ein giftiges Bleichmittel als Wundermittel gegen das Coronavirus angepriesen und verkauft haben sollen. Dem Vater und seinen drei Söhnen werden unter anderem Betrug und Verstöße gegen das Lebensmittel- und Medikamentenrecht zur Last gelegt, wie die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Florida laut “Washington Post” mitteilte. Den Ermittlern zufolge sind mehrere Menschen nach dem Trinken des Mittels gestorben, berichtet die US-Zeitung.

Präsident Trump hat offenbar die kriminelle Geschäftsidee beflügelt

Demnach soll der Hauptverdächtige Mark G. zusammen mit seinen drei Söhnen schon seit Längerem ein Mittel namens “Miracle Mineral Solution” (Wunder-Mineral-Lösung, im Englischen kurz MMS genannt) als Heilmittel gegen eine Reihe von Krankheiten wie Alzheimer und Krebs angepriesen haben.

US-Präsident Donald Trump beflügelte offenbar die kriminelle Geschäftsidee, als er im April zum Entsetzen vieler Mediziner sagte, womöglich könnten “Injektionen” von Desinfektionsmitteln Coronavirus-Patienten heilen. Später behauptete er, seine Äußerung sei nur “sarkastisch” gemeint. Diesen Teil hat der Beschuldigte G. offenbar ignoriert. “Trump hat MMS und alle Informationen! Es passieren Dinge, Leute!” schrieb der Vater auf Facebook. “Möge Gott anderen helfen, die Wahrheit zu sehen.”

Vater gründet vermeintliche Glaubensgemeinschaft

Und damit nicht genug. Mark G. gründete eine vermeintliche Glaubensgemeinschaft, die “Genesis II Kirche der Gesundheit und Heilung”. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft tat er dies nur, um damit das Familiengeschäft zu decken. G. selbst habe wiederholt eingeräumt, dass die Kirche “nichts mit Religion zu tun hat”, nur der “Legalisierung der Nutzung von MMS” diene und verhindern solle, dass er ins Gefängnis müsse, so die “Washington Post”. Das Familienunternehmen soll unter anderem Großpackungen für eine “Spende” von 900 US-Dollar (knapp 800 Euro) verkauft haben.

Der Vater und die Söhne sollen zehntausende Flaschen ausgeliefert und damit allein im vergangenen Jahr 500.000 Dollar eingenommen haben. Der Staatsanwaltschaft zufolge liegen der Arzneimittelbehörde FDA Berichte vor, wonach Kunden nach dem Einnehmen des Mittels ins Krankenhaus eingeliefert wurden, schwere Krankheitssymptome entwickelten, mehrere starben.

“Dieses MMS-Produkt ist nicht nur giftig, sondern seine Verteilung und Verwendung kann auch verhindern, dass Kranke die legitime Gesundheitsversorgung erhalten, die sie benötigen”, wird die US-Anwältin Ariana Fajardo in der US-Zeitung zitiert. Ein Gericht hatte der Familie G. bereits in der Vergangenheit den Verkauf des Bleichmittels verboten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten nun vor, sich darüber hinweggesetzt zu haben. Nähere Angaben zum Krankheitsverlauf oder dazu, wie viele Menschen tatsächlich ihr Leben verloren haben, hat die Justizbehörde bislang nicht gemacht.

RND/hma