Donnerstag , 22. Oktober 2020
Charlize Theron, Schauspielerin aus Südafrika, ist im neuen Netflix-Film “The Old Guard” zu sehen. Quelle: Matt Crossick/PA Wire/dpa

Charlize Theron: “Musste meinen Töchtern sagen, was Menschen wie George Floyd wegen ihrer Hautfarbe erleiden“

Schauspielerin Charlize Theron hat mit ihren zwei schwarzen Töchtern auch über die Black-Lives-Matter-Bewegung gesprochen. Im RND-Interview erzählt sie, warum ihr das wichtig war – und wieso Actionszenen wie für ihren neuen Netflix-Film “The Old Guard” heute nicht schwieriger für sie sind als vor 20 Jahren.

Charlize Theron macht weiter als Actionamazone. Im Netflix-Film “The Old Guard”, der seit diesem Freitag (10. Juli) bei dem Streamingdienst zu sehen ist, führt sie eine Truppe von unsterblichen Krieger(inne)n an.

Charlize Theron, Sie suchen im Film nach dem richtigen Weg im Leben. Haben Sie den Ihren gefunden?

Charlize Theron: (lacht) Mann, wenn ich überlege, wie oft wir uns das alle fragen. Man geht immer wieder durch Phasen im Leben, die einen in eine bestimmte Richtung führen. Für mich sind die Wegweiser immer Menschen, die ich liebe. Und meine Liebe für Reisen und die Welt erkunden zu wollen treibt mich an.

Aber woher wissen Sie, wohin die Reise gehen soll?

Das weiß niemand, auch ich nicht. Man entwickelt sich im Leben ja auch weiter und schlägt andere Wege ein, die man vorher nicht gewählt hätte. Wichtig ist, dass man viel Selbstreflektion betreibt und so erkennt, dass man eventuell auf dem Holzweg ist.

In Amerika hofft die Black-Lives-Matter-Bewegung, die Gesellschaft zu verändern und echte Gleichberechtigung zu erlangen. Haben Sie mit Ihren beiden Kindern ( Anmerkung der Redaktion: Jackson (8) und August (4) sind beide adoptiert und haben einen afroamerikanischen Background) über das Thema Hautfarbe und Rassismus schon gesprochen?

Es ist eine sehr komplizierte Sache für mich, weil meine Kinder noch so jung sind. Als Eltern hofft man, dass man seine Kids vor allem beschützen kann – besonders vor so etwas Herzzerreißenden wie dem, was in Amerika vor sich geht. Deshalb habe ich die Notwendigkeit gesehen, es anzusprechen.

Wie schwierig war das Gespräch für Sie?

Es war nicht nur eine Konversation, es sind viele Gespräche, die sich auch noch weiter fortsetzen werden. Es ist so schwer, weil du einfach als Mutter spürst, dass du deinen sehr, sehr kleinen Kindern ein Stück Unschuld stiehlst. Aber ich musste ihnen einfach sagen, was ihre Vorfahren und Menschen wie George Floyd bis heute wegen ihrer Hautfarbe erleiden müssen.

Schweigen und Abschirmen wären also nicht besser?

Nein, ich glaube fest daran, dass es wirklich gefährlich ist, wenn man nichts sagt. Ich will meine Kinder mit einbinden, und sie sind auch sehr interessiert. Sie haben sogar Schilder gemalt, die sie ans Fenster halten, wenn wir zum Einkaufen fahren. Ich glaube, das gibt ihnen das Gefühl, etwas zu tun. Und es ist sehr altersgerecht.

Wie sind Sie und Ihre Familie bislang durch die Corona-Krise und die Quarantäne gekommen?

Eigentlich sehr gut. Wir haben das unglaubliche Glück, dass wir niemanden in unserem engeren Kreis kennen, der gesundheitlich von der Epidemie betroffen war. So ein Segen. Ebenso, wie diese beiden kleinen Engel jeden Tag um sich zu haben – obwohl Gott weiß, dass ich wirklich eine Pause nötig hätte (lacht).

Sie sind solo. Wünschen Sie sich gerade zu solchen Zeiten wie jetzt nicht einen Partner, der Sie unterstützt?

Nein, das ist nicht etwas, was mir fehlt oder ich gerade brauchen würde. Ich bin jemand, der das Glas im Leben immer als halb voll und nie als halb leer sieht. Und es ist wirklich ein Segen, so viel Zeit mit den Kids zu haben – etwas, wonach ich mich immer sehne, wenn ich arbeiten muss. Und auch meine Mutter um mich herum zu haben, ist einfach ein Glücksfall. Genau das, was ich gerade brauche.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Dinge wieder einigermaßen normal sind?

Die Kids in die Schule schicken zu können. Ich will einfach nicht mehr selbst zu Hause unterrichten und schätze ihre Lehrer mehr als je zuvor. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich fürchterlich schlecht in Mathe bin. Das wird mir auch von meiner Älteren an den Kopf geworfen (lacht).

Dafür müssten Sie ja als Fremdsprachenlehrerin richtig gut sein. Sie sind in Südafrika groß geworden, und Ihre Mutter ist deutschstämmig. Wie viele Sprachen beherrschen Sie?

Ich spreche Afrikaans, Englisch und Italienisch. Italien war das erste Land, in das ich mit 16 gereist bin. Es wurde ein wenig zu meiner zweiten Heimat, und ich habe dort viel Zeit verbracht. Mein Deutsch ist leider nicht so gut, weil meine Mutter und ich uns immer nur auf Afrikaans unterhalten haben.

Der Film “The Old Guard” hat viele Actionszenen. Ist es in den 40ern schwieriger, dafür in die richtige Form zu kommen?

Natürlich haben sich einige Dinge in den letzten 20 Jahren verändert. Aber 40 ist nicht mehr wirklich, wie 40 früher war. Wenn ich daran denke, als ich ein Kind war, wie uralt meine Familienmitglieder jenseits der 40 waren. Ich glaube, Alter ist eine Mischung aus Einstellung und wie man sein Leben lebt. Ich bin als Ex-Ballerina sehr eng mit meinem Körper verbunden und höre auf ihn. Deshalb war die Ü40-Welt für mich auch nicht so groß als Schock, weil ich von der Fitness her nicht wirklich abgebaut habe. Ich hatte schon mit 26 Schmerzen und Muskelkater nach harten Szenen – so wie heute auch. Ich bin nur klüger geworden, wie ich meinen Körper rehabilitiere und noch mehr rausholen kann.

Verraten Sie uns das Geheimnis.

Das ist ziemlich einfach. Ich bleibe durchgehend im Training, trainiere Ausdauer wie auch Kraft. Und ich ernähre mich sehr gesund. Am wichtigsten ist es allerdings, Pausen einzulegen, wenn mein Körper mir das sagt.

Dennoch sollen Sie nach Ende der Dreharbeiten drei OPs gehabt haben.

Wegen eines total verrückten Unfalls. Mein Daumen hat sich in einer Szene in der Kleidung eines Statisten verfangen. Er hat sich abrupt weggedreht und alle meine Sehnen sind gerissen. Ich hatte fürchterliche Schmerzen, aber ich musste noch drei Wochen bis zum Ende durchhalten. Ein Nerv war beschädigt, und es hat drei Eingriffe gebraucht, um alles zu reparieren. Doch jetzt ist mein Daumen wieder wie neu.

Zeigen Ihre Kids denn Interesse am Beruf ihrer Mama?

Meine Kinder lieben alles, was Action ist. Sie sind neugierig und wollen Neues entdecken. Ich versuche, ihnen als Mutter so viele Möglichkeiten anzubieten wie nur möglich. Ob Martial Arts, Ballett, oder Musikunterricht. Meine kleine August ist von Natur aus eine sehr gute Ballerina. Und Jackson liebt es, Geige zu spielen. Ansonsten wird in unserm Haus viel getanzt und es läuft immer Musik. Und da ihre Oma Gerda mit Leidenschaft Golf spielt, werden sie nicht darum herumkommen, das auch bald lernen zu müssen.

Von Dierk Sinderman/RND