Dienstag , 20. Oktober 2020
Rassismuskritik: Simona Faulhaber (2. v. re.) von der Flüchtlingshilfe fordert eine Umbenennung der Mohren-Apotheke. Quelle: Privat

Rassismusvorwürfe gegen Mohren-Apotheke in Wolfsburg: Inhaberin lehnt Umbenennung ab

Die Mohren-Apotheke in Wolfsburg sorgt für Diskussionen. Eine Initiative der Wolfsburger Flüchtlingshilfe fordert die Umbenennung des Geschäfts. Die Inhaberin wehrt sich gegen die Vorwürfe und will von einer Umbenennung nichts wissen.

Wolfsburg. Durch die “Black Lives Matter”-Bewegung werden auch in Deutschland Bezeichnungen von Straßen, Plätzen oder auch Unternehmen kritisch diskutiert. Auch die Mohren-Apotheke in Wolfsburg sorgt für mächtig Diskussionsstoff, wie die “Wolfsburger Allgemeine Zeitung” (WAZ) berichtet. Eine Initiative aus der Wolfsburger Flüchtlingshilfe fordert nun die Umbenennung des Unternehmens. “Ich möchte, dass mein Sohn und meine Enkelkinder in einem rassismusfreien Land aufwachsen”, sagte Simona Faulhaber, die Beisitzerin der Flüchtlingshilfe, der Zeitung.

Der Name der Apotheke passe nicht ins Stadtbild, sagte Faulhaber der Zeitung weiter. Sie hat selbst einen schwarzen Sohn. Laut eigener Aussage habe sie deshalb das Gespräch mit der Apotheken-Inhaberin gesucht. “Ich hatte gehofft, sie würde einlenken”, so Faulhaber.

Doch die Inhaberin Petra Grünwald kann die Kritik von Faulhaber laut “WAZ” nicht nachvollziehen. “Der Name ist nicht rassistisch”, sagte die Inhaberin gegenüber der Zeitung. Der Begriff würdige vielmehr die Pharmazie. “Der Name und unser Logo sind als Zeichen der Wertschätzung der ersten Pharmazeuten zu verstehen. Genau deshalb wollen wir unseren Namen behalten”, sagte Grünwald. Der Namensursprung ginge demnach auf die Mauren zurück, die einst die Arzneikunde nach Europa gebracht haben.

Apotheken-Betreiberin: Umbenennung “nicht mal so eben getan”

Vor den möglichen Kosten für die Umbenennung habe die Apothekerin keine Scheu. Trotzdem sei eine Änderung “nicht mal so eben getan”, so die Betreiberin zur “WAZ”. Denn dann müsse eine neue Betriebserlaubnis bei der Apothekenkammer gestellt werden. Dies würde demzufolge auch eine Abänderung der Bankkonten nach sich ziehen.

Historiker warnt in Diskussion um Namensänderungen vor Tabuisierungen

Im RND-Interview sprach sich Historiker Arnd Bauerkämper für einen kritischen Umgang mit Straßennamen aus. Er warnt jedoch davor, Namen völlig auszuradieren. “Grundsätzlich muss man in diesen Fällen jedoch eine feine Balance finden. Es gibt sicherlich öffentliche Namen, die so bleiben können. Dann gibt es Grenzfälle, und es gibt Fälle, die schlicht umbenannt werden müssen, weil sich die gesellschaftliche Diskussion auch verändert hat”, so der Professor für Neuere Geschichte von der Freien Universität Berlin.

RND/jj