Donnerstag , 29. Oktober 2020
Um den Betreiber der neuen Brücke, die bald fertig ist, gibt es nun Ärger. Quelle: Fabio Ferrari/LaPresse via ZUMA

Kurz vor Wiedereröffnung: Ärger um Brücke in Genua

Der umstrittene Konzern Autostrade per l’Italia soll die neue Genua-Brücke vorerst betreiben, kündigte die Regierung an. Doch Regionalpolitiker und Opfer sind damit gar nicht einverstanden: Denn die Firma war schon vor dem Einsturz mit 43 Tote für die Brücke verantwortlich – und soll sie marode habe werden lassen.

Rom. Kurz vor der geplanten Wiedereröffnung der Brücke von Genua überschattet ein Streit über den Betreiber den Neuanfang. Italiens Verkehrsministerin Paola De Micheli kündigte an, dass der umstrittene Konzern Autostrade per l’Italia die neue Brücke vorerst übernehmen werde. Darauf hagelte es Kritik von Regionalpolitikern, Opfern und auch aus der Regierung selbst. Ministerpräsident Giuseppe Conte sprach am Mittwoch von einer „paradoxen Situation, die absurd zu werden droht“. Er erwarte bis Ende der Woche eine Entscheidung über die Konzession.

Bei dem Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke im August 2018 waren 43 Menschen gestorben. Gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia – der von der Familie Benetton kontrolliert wird – ermittelt die Staatsanwaltschaft. Die Brücke soll schon vorher marode gewesen sein. Die mitregierende Fünf-Sterne-Bewegung hatte nach dem Einsturz erklärt, dem Unternehmen werde die Lizenz entzogen. Das neue Viadukt soll Ende Juli, spätestens Anfang August eröffnet werden.

Kritik an Rückgabe an jene, die die Brücke vor dem Unfall marode werden ließen

„Nun, nach zwei Jahren der Drohungen, der Unbeweglichkeit, der Verkündungen, der versprochenen und aufgeschobenen Gerechtigkeit, wird die Brücke von Genua an Autostrade zurückgegeben“, empörte sich der Regionalpräsident von Ligurien, Giovanni Toti. Auch der Chef der Fünf Sterne, Vito Crimi, erklärte: „Die Brücke von Genua darf nicht wieder in die Hände der Benettons übergehen.“

Allerdings schiebt die Regierung aus Sternen und Sozialdemokraten eine Entscheidung seit Monaten hinaus. “Wir sind bestürzt”, sagte Franco Ravera, Vertreter eines Vereins von Menschen, die bei dem Unglück ihre Bleibe verloren haben.

RND/dpa