Dienstag , 20. Oktober 2020
Das Walt Disney World Resort in der Nähe von Orlando will trotz Corona am Samstag wieder öffnen. Quelle: John Raoux/AP/dpa

“Wir sind im freien Fall” – doch in Orlando öffnet Disneyworld

In den USA wird Kritik gegen das lasche Vorgehen in der Corona-Pandemie lauter. Experten sehen in ausufernden Partys und an überfüllten Stränden ein hohes Infektionsrisiko. Doch trotz 60.000 Infizierten an nur einem Tag im gesamten Land will am Wochenende der Freizeitpark Disneyworld in Orlando öffnen.

Orlando. Am 11. Juli soll es wieder losgehen – mit einer kleinen Fantasiewelt in einer derzeit recht unwirklichen Realität: Disneyworld in Florida, der meistbesuchte Freizeitpark der Welt, wird am Samstag wieder eröffnen. Und das, obwohl die USA erst am Mittwoch einen neuen Rekord in Sachen Corona-Infektion aufstellten: 60.000 Infizierte binnen zwei Stunden, 10.000 davon in Florida – und die USA knackten damit die traurige Drei-Millionen-Marke.

Bereits Ende Mai, als sich schon mehr als anderthalb Millionen Amerikaner mit dem Coronavirus infiziert hatten, gab Disneyworld die Öffnung am 11. Juli bekannt. Nach wie vor will der Themenpark an den Plänen festhalten, berichtet CNN, erst einmal allerdings nur für Jahreskarteninhaber und Menschen, die schon Tickets erworben hatten, ehe der Park wegen der Pandemie schließen musste.

Gouverneur: “Disneyworld ist sicherer als eine private Feier”

Obwohl die Zahlen allein in Florida in diesem Zeitraum von rund 50.000 auf 225.000 stiegen. Während einige Experten die Entscheidung kritisieren, sieht die Politik keinen Handlungsbedarf. “Disney hat ein tolles Sicherheitskonzept entworfen”, sagte Gouverneur Ron DeSantis auf einer Pressekonferenz, “Universal Orlando, die schon am 5. Juni geöffnet haben, machen auch einen großartigen Job”, wird er von “Orlando Sentinel Newspaper” zitiert. “Es ist sicherer, in den Themenpark in Florida zu gehen, als auf eine große private Feier.”

Gerade in den vergangenen Tagen gab es immer wieder Kritik von Gesundheitsexperten und Medien: Rund um den 4. Juli, den Nationalfeiertag der USA, hatte es im gesamten Land immer wieder große Menschenansammlungen gegeben. “Forbes” berichtet von übervollen Stränden, feiernden Massen in Parks und einer riesigen Party an einem See in Michigan. Journalist Max Lewis hatte Aufnahmen von der Diamond Lake Sandbar auf Twitter geteilt: Die Menschen stehen dicht an dicht, feiern – und von Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus ist nichts zu sehen. Das Gesundheitsministerium sagte Lewis gegenüber, die Aufnahmen seien “besorgniserregend”.

Ärztin besorgt: “Wir sind im freien Fall, das Verhalten hat Konsequenzen”

Auch das Verhalten von US-Präsident Donald Trump wird von CNN kritisiert: Bei öffentlichen Vorträgen von ihm standen Fans und Wähler über Stunden dicht an dicht zusammen, ohne Schutz. Trump selbst erwähnte das Virus in seinen Reden nicht.

Schon kurz nach dem langen Partywochenende waren Krankenhausbetten in den USA knapp. In Florida meldeten fünf Krankenhäuser, dass sie keine Intensivbetten mehr hätten. Die Ärztin Rochelle Walensky vom Massachusetts General Hospital sagte gegenüber CNN: “Wir sind im freien Fall. Man sieht diese Bilder und Videos, und entweder sind die Menschen naiv und leichtsinnig, wenn es um die Konsequenzen ihres Verhaltens geht, oder sie ignorieren diese einfach.”

Testkapazitäten knapp – Appell von Immunologe und Trump-Berater Fauci

Ob die aktuellen Fälle allerdings schon auf das 4.-Juli-Wochenende zurückgehen, ist noch unklar. Weil es derart viele Menschen mit Symptomen oder Kontakt zu Infizierten gibt, liegt die Wartezeit für Tests derzeit bei vier bis sechs Tagen. “Wir können so nicht weitermachen”, sagte der Arzt Peter Hotez von der medizinischen Hochschule Baylor in Houston.

Erst am Montag hatte der führende Virologe und Trump-Berater Anthony Fauci, der sich zuletzt für das Maskentragen in der Öffentlichkeit eingesetzt hat, gesagt, das Land habe die Pandemie nie unter Kontrolle gebracht und man befinde sich noch mitten in der ersten Infektionswelle. Präsident Trump sieht das indes anders: “Wir sind in einer guten Lage und werden in wenigen Wochen in einer sehr guten Lage sein”, sagte er laut CBS News.

Ein weiterer Disney-Freizeitpark in den USA, Disneyland in Anaheim in Kalifornien, hat noch nicht bekannt gegeben, wann er öffnen wolle. Man wollte laut “Now This News” erst das Feiertagswochenende abwarten, hoffe aber auf den 17. Juli.

 

 

 

 

 

 

Von Miriam Keilbach/RND