Sonntag , 20. September 2020
Der Prozess am Landgericht München ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Quelle: dpa

Nicht verhandlungsfähig: Missbrauchsprozess gegen Großvater ausgesetzt

Hundertfach soll sich ein Mann an seinen Stief-Enkeln und deren Freunden vergangen haben. Eigentlich sollte in dieser Woche das Urteil gegen den Großvater fallen, doch nun ist der Prozess auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Der Angeklagte sei derzeit nicht verhandlungsfähig, sagte das Landgericht München.

München. Der Prozess gegen einen Großvater wegen hundertfachen Missbrauchs an seinen Stief-Enkeln und deren Freunden ist bis auf Weiteres unterbrochen worden. Wie das Landgericht München II am Mittwoch mitteilte, ist der Angeklagte derzeit nicht verhandlungsfähig. Neue Termine wurden darum noch nicht angesetzt. Ursprünglich sollte das Verfahren gegen den Mann in dieser Woche zu Ende gehen. Wann der Prozess fortgesetzt werden kann, ist nach Gerichtsangaben noch unklar.

Das Verfahren hatte Schlagzeilen gemacht, weil der weitgehend geständige Angeklagte mit seiner Aussage vor Gericht Vorermittlungen gegen einen ehemaligen Erzieher und einen Geistlichen ins Rollen gebracht hatte. Er hatte angegeben, in seiner Jugend in dem früheren katholischen Jugenddorf Piusheim in der Gemeinde Baiern im oberbayerischen Landkreis Ebersberg selbst massiv sexuell missbraucht worden zu sein.

Angeklagter deckt Missbrauch durch Geistlichen auf

Inzwischen hat sich der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, in den Fall eingeschaltet und den Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx aufgefordert, die Vorwürfe von einer unabhängigen Kommission aufklären zu lassen. Bei der Opferorganisation „Eckiger Tisch“ und der Staatsanwaltschaft München II haben sich inzwischen weitere mutmaßliche Betroffene gemeldet.

RND/dpa