Donnerstag , 13. August 2020
ARCHIV - 26.09.1980, Bayern, München: Ein Sarg wird vom verwüsteten Tatort beim Oktoberfest weggetragen. Die vor mehr als fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 sind eingestellt. Foto: Frank Leonhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Frank Leonhardt/dpa

13 Tote, 200 Verletzte: Ermittlungen zu Oktoberfest-Attentat von 1980 eingestellt

13 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt: Das Oktoberfest-Attentat vor 40 Jahren war der größte rechtsextreme Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Ende 2014 wurden die Ermittlungen neu aufgenommen. Sie haben nicht viel Neues gebracht.

München/Karlsruhe. Die vor mehr als fünf Jahren neu aufgenommenen Ermittlungen zum Oktoberfest-Attentat von 1980 sind eingestellt. Das sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Dienstagabend. Zuvor hatten “Süddeutsche Zeitung”, “Spiegel” und “Tagesspiegel” darüber berichtet.

Nach den Ergebnissen der neuen Ermittlungen handelte der Attentäter Gundolf Köhler damals aus einer rechtsextremistischen Motivation heraus. Hinweise auf Hintermänner oder Komplizen wurden aber auch nach mehr als tausend Vernehmungen und der Prüfung von Hunderten Spuren nicht gefunden. „Wir haben keine zureichenden, tatsächlichen Anhaltspunkte für die Beteiligung weiterer Personen als Mittäter, Anstifter oder Gehilfen an der Tat des Gundolf Köhler“, sagte der Sprecher. Laut „SZ“ wurden konkret 1008 Zeugen befragt, 888 Hinweise überprüft und 300 000 Seiten Akten durchflöht.

Behörden sprachen von Einzeltätern – Angehörige bezweifelten das

Am Abend des 26. September 1980 hatten am Haupteingang zur Wiesn 1,39 Kilogramm TNT zwölf Festgäste in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Schrauben und Nägel erhöhten die Zerstörungskraft. Auch der Bombenleger und Rechtsextremist Gundolf Köhler starb. Der Geologie-Student Köhler war ein früherer Anhänger der dann verbotenen rechtsextremistischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

Die Akten wurden rasch geschlossen, das Verfahren eingestellt. Die Behörden sprachen von einem Einzeltäter, der die Tat aus rein privaten Motiven beging. Das bezweifelten Angehörige, Opfervertreter und Politiker verschiedener Parteien. Sie hatten sich über Jahrzehnte für die Wiederaufnahme der Ermittlungen eingesetzt – was im Dezember 2014 geschah.

Als der Generalbundesanwalt Ende 2014 – etwa eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Prozesses um die rechtsextremen Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) – die Wiederaufnahme verkündete, war das auch ein Bekenntnis: dass vor mehr als drei Jahrzehnten nicht alles gut gelaufen war. Er sprach damals vom „schwersten rechtsextremistische Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“.

RND/dpa