Mittwoch , 23. September 2020
Stierkampf ist in Spanien nach Corona wieder erlaubt. (Symbolbild) Quelle: Abel Alonso/EFE/dpa

Stierkampf ist in Spanien nach Corona-Lockerungen wieder erlaubt

Im Rahmen der neuen Corona-Lockerungen in Spanien sind nun auch wieder Stierkämpfe erlaubt. Vier Monate war die spanische Tradition untersagt worden. Tierschützer sind nun empört.

Vier Monate haben wegen der Corona-Maßnahmen keine Stierkämpfe stattgefunden. Nun ist die Schonfrist für die Tiere vorbei. Im Rahmen der neusten Corona-Lockerungen ist auch die spanische Tradition wieder erlaubt, berichtet die “Tagesschau”.

Zuvor waren Tausende Spanier auf die Straßen gegangen, um sich für die Stierkämpfe einzusetzen – diese Tradition sei nämlich ein wichtiger Bestandteil der spanischen Kultur. Außerdem sei der Stierkampf ein bedeutsamer Teil in der spanischen Wirtschaft, argumentierten die Befürworter – etwa 6000 Jobs hingen an dem “Corrida de toros” . Die Züchter der sogenannten Kampfbullen verlieren nach eigenen Angaben 70 Millionen Euro, wenn die Arenen geschlossen blieben.

“Hier werden Gesetze missbraucht”

Dass der berühmteste Stierlauf Spaniens dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausfällt, freut Marta Esteban, die Sprecherin der Tierschutzplattform Folter ist keine Kultur (La tortura no es cultura). Sie erklärt gegenüber der “Tagesschau”: “Alles, was dazu beiträgt, dass keine Tiere getötet werden, nur um Menschen zu unterhalten, ist eine gute Nachricht. Hoffentlich können wir bald schon sagen, dass nirgendwo mehr in Spanien Stiere leiden müssen.”

Tierschützer werfen der Stierkampfbranche Gesetzesmissbrauch vor. Ihrer Meinung nach bekommen Züchter Geld von der Europäischen Union, das eigentlich für die Förderung einer hochwertigen Fleischproduktion gedacht ist. “Doch in Wirklichkeit züchten sie für Stierkämpfe. Hier werden die Gesetze missbraucht”, erklärt Roberto Bennati, der Vizechef der italienischen Tierschutzorganisation LAV, gegenüber der Nachrichtensendung.

“Die Zahl der Zuschauer ist seit 2007 um 61 Prozent gesunken”

Eine Studie des spanischen Kulturministeriums über den Stierkampf zeigt, dass mehr als 80 Prozent der Spanier die brutale Tradition kritisch sähen. Marta Esteban erklärt, dass die Zahl der Zuschauer seit 2007 um 61 Prozent gesunken sei. “Die Viruskrise könnte das Ende beschleunigen.”

Unter besonderen Corona-Auflagen dürfen Stierkämpfe nun wieder stattfinden.

RND/ros