Freitag , 23. Oktober 2020
Sarah Cooper parodiert Trump – und Millionen schauen zu. Quelle: TikTok/watchugotforme

Millionen schauen ihre Trump-Parodien: Wer ist Sarah Cooper?

Die Komikerin Sarah Cooper erreicht mit ihren Trump-Parodien Millionen Menschen. Der ehemaligen Google-Mitarbeiterin dürfte nun eine rosige Comedy-Karriere bevorstehen. Doch wer ist Sarah Cooper? Und hat Trump ihre Videos eigentlich auch gesehen?

New York. Wer auf Twitter oder TikTok aktiv ist, kommt derzeit nur schwer an ihr vorbei: Sarah Cooper, eine 43 Jahre alte Komikerin aus New York, erreicht mit ihren Videos Millionen Aufrufe. In kurzen Clips parodiert sie US-Präsident Donald Trump – dafür nutzt sie die Originaltonspur seiner Reden und Interviews und führt die Szenerie mittels lip-synch ad absurdum. Wie das aussieht, ist etwa hier zu sehen:

Lustig sind die Clips nicht zuletzt wegen Coopers Mimik: Sie schaut gelangweilt drein, rollt die Augen, wiegt den Oberkörper hin und her, posiert als mächtiger US-Präsident, während sie absoluten Nonsens ausspricht. Mit kleinen, aber eindrucksvollen Gesichtsausdrücken macht Cooper deutlich, wie ahnungslos der US-Präsident manchmal ist, während er aus voller Überzeugung eine Behauptung in den Raum stellt.

Dabei erfindet Cooper nichts hinzu, schneidet nichts weg. Trumps Worte wurden genau so gesagt, nur die Bilder sind neue. “Meine Videos versichern den Leuten, dass das, was aus dem Mund des Präsidenten kommt, wirklich so verrückt ist, wie es sich anhört”, beschreibt Cooper den Erfolg ihrer Videos gegenüber dem “Guardian”.

UV-Licht gegen Corona

Zu den erfolgreichsten Videos der 43-Jährigen gehört eines mit dem Titel “How to medical”. Darin nimmt Cooper eine Trump-Rede aufs Korn, in der der US-Präsident vorschlägt, UV-Licht zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu nutzen – oder sich gleich Desinfektionsmittel zu injizieren.

Cooper zeigt mit überzeugtem Gesichtsausdruck eine Lampe, führt vor, wie das UV-Licht in den Körper gelangen könnte – zum Beispiel durch den Hintern – und zeigt dann, wie man das Desinfektionsmittel zu sich nehmen könnte.

Große Hollywood-Stars sind Fan

Im Video “How to bunker” zeigt Cooper einen verängstigten Trump im Bunker, während sich dieser in der Badewanne versteckt. Hintergrund für den Clip sind die Black-Lives-Matter-Proteste in Washington. Trump hatte sich an dem Tag in den Bunker des weißen Hauses zurückgezogen, später aber behauptet, er habe dort nur eine Inspektion durchgeführt.

Die Parodien kommen im Netz so gut an, dass inzwischen sogar große Hollywood-Stars auf Cooper aufmerksam wurden. Ben Stiller beispielsweise nannte Coopers Videos “understated perfection”.

Doch wer ist Sarah Cooper? Und wie wurde aus ihr ein Internet-Star?

Wer ist Sarah Cooper?

Geboren wird die heute 43-Jährige in Jamaika, bis ihre Familie 1980 in die USA zieht. An der University of Maryland studiert Cooper nicht etwa Comedy, sondern Wirtschaftswissenschaften. Später arbeitet sie für Yahoo, dann für Google. Aus dieser Zeit sind auch noch einige Videos und Blogbeiträge von Cooper zu finden. Hier gibt sie unter anderem Tipps, wie man in Meetings intelligent wirkt – zu der Thematik veröffentlicht sie später auch ein Buch.

Comedy spielt jedoch auch zu dieser Zeit schon eine Rolle in Coopers Leben: Immer wieder steht sie auf Stand-Up-Bühnen, zum Beispiel in Atlanta und ab 2018 im Lantern Comedy Club in New York.

Der Durchbruch im Netz gelingt Cooper durch einen Zufall: Ihr Neffe zeigt ihr im vergangenen Jahr die Plattform TikTok. Das soziale Netzwerk ist vor allem bei Jugendlichen beliebt – sie tanzen etwa mittels Lip-Synch zu aktuellen Songs ihrer Lieblingskünstler.

“Mit Bullshit durchs Leben quatschen”

Cooper selbst sucht sich für ihre ersten Performances einen ganz besonderen “Lieblingskünstler” aus – Donald Trump. Wie es dazu kam, erzählt sie dem Late-Night-Talker Jimmy Fallon: “Zu Beginn der Corona-Pandemie war Trump jeden Tag im Fernsehen. Ich habe mir das angeguckt und war unfassbar frustriert”, erzählt sie. “Die Leute haben nur genickt und haben so getan, als würde das, was er sagt, tatsächlich Sinn ergeben. Die taten so, als wäre er schlau.”

Das habe sie an die Unternehmenswelt erinnert. An Meetings, in denen Businesstypen mit Buzzwords um sich werfen, die sie gerade erst vor fünf Minuten gelernt hätten. “Um ehrlich zu sein”, so Cooper. “Ich wollte immer einer dieser Typen sein. Ich wollte schon immer mit Bullshit meinen Weg durchs Leben quatschen. Es war tatsächlich eher Neid.”

Also schnappt sich Cooper ein paar Trump-Reden, die “überhaupt keinen Sinn ergeben”, imitiert ihn, um herauszufinden: “Kann ich das auch?”

Hat Trump die Videos schon gesehen?

Die Produktion der kleinen Clips sehe so aus: “Ich sehe eine seiner Reden auf Twitter, versuche mir Bilder dazu vorzustellen und versuche, diese zum Leben zu bringen.” Bei der Aufnahme wiederhole Cooper die kleinen Clips immer und immer wieder, bis sie letztendlich perfekt seien. Dabei sei ihr wichtig, den Subtext von Trumps Reden hervorzuheben.

Ob Trump selbst die Parodien schon gesehen hat? Wahrscheinlich nicht, vermutet Cooper in der Show von Ellen DeGeneres: “Er hat mich vor drei Jahren auf Twitter geblockt, weil ich offenbar seine Gefühle verletzt habe. Ich glaube, sein Team versucht ihn davor zu bewahren, etwas Negatives über sich zu sehen.”

Doch Cooper gibt die Hoffnung nicht auf: “Es wäre großartig, wenn er die Videos öffentlich kommentieren würde. Dann könnte ich das auch wieder lipsynchen und der Kreis wäre komplett.”

Von Matthias Schwarzer/RND