Donnerstag , 6. August 2020
Ein hilfsbereiter Mensch mit dem Herz auf dem rechten Fleck: Tom Hanks (hier mit Ehefrau Rita Wilson) wünscht sich ein rassismusfreies Amerika für alle Amerikaner. Im Herbst will er in seinem Elvis-Filmprojekt wieder in die Rolle des Elvis-Managers Colonel Tom Parker schlüpfen. Quelle: imago images/PA Images

Tom Hanks in Zeiten der Pandemie: “Ich fühle mich gesegnet”

Tom Hanks hat Drehpause – der Hollywoodstar hofft, seinen Elvis-Film im Herbst weiterdrehen zu können. Das Leid der Menschen in der Corona-Pandemie lindert der Schauspieler, der selbst an Covid-19 erkrankt war, mit Spenden. Und im “schrecklichen Tod von George Floyd” sieht er die Chance für ein besseres Amerika.

Sie spielen die Rolle eines heldenhaften Commanders im Zweiten Weltkrieg, der einen Konvoi alliierter Schiffe an deutschen U-Booten vorbei durch die Nordatlantik schleusen soll. Viele fanden es auch heroisch, wie Sie ihren Corona-Krankheitsverlauf auf Social Media geteilt haben, um mit diesen Informationen anderen die Angst zu nehmen.

Mir war es wichtig, zu zeigen, welche Herausforderungen vielen anderen bevorstehen. Bei der Bekanntgabe, dass wir uns in Isolation begeben hatten, ging es ja nicht nur darum, unseren Krankheitsverlauf zu überwachen – den Sauerstoffgehalt im Blut, unsere Lungenfunktion und so weiter. Noch wichtiger war, dass wir von der Außenwelt abgeschottet waren und keine anderen anstecken konnten. Meine Frau und ich wollten das kollektive Bewusstsein anfeuern. Denn das ist nötig, um die Gesundheitskrise zu überstehen.

Bei Ihrer Frau Rita kam noch das erhöhte Risiko hinzu, dass sie vor fünf Jahren Brustkrebs hatte. Woher nimmt sie ihre Kraft?

Die kommt von innen, weil sie ein glücklicher Mensch ist. Und ein kreativer. Sie arbeitet mit unglaublicher Zielstrebigkeit an ihrer Musik. Sie ist unermüdlich und nichts würde sie stoppen, einfach nichts! Ich kann da nur staunend zuschauen. Und manchmal darf ich ihr Lipgloss halten oder ihr sagen, wo sie ihr Handy vergessen hat. (lacht)

Typisch Tom Hanks – immer ausgeglichen und bestens gelaunt. Woher kommt das?

Ich wache jeden Tag auf und fühle mich gesegnet, dass ich gesund und sicher bin. Diesen Luxus hat nicht jeder. Ich weiß, wie viele Menschen gerade leiden. Wie viele durch den Lockdown nicht mehr arbeiten, ihre Mieten oder Autoraten nicht mehr zahlen können und einfach nur leiden. Ich habe das große Glück, die Möglichkeit zu haben, wirtschaftlich weniger gesegneten Menschen zu helfen. Indem meine Frau und ich für örtliche Hilfsorganisationen, die Bedürftigen etwas zu Essen bieten, Schecks ausstellen.

Es gibt Menschen, die sich den Coronavirus-Schutzmaßnahmen widersetzen und damit alle gefährden. Ärgert Sie das?

Es sollte echt nicht so schwer sein, kleinste Verhaltensweisen zum Wohle der Allgemeinheit zu ändern. Das heißt: beim Shopping soziale Distanz zu bewahren, eine Gesichtsmaske zu tragen und seine Hände zu waschen. Es gibt keinen einzigen Amerikaner, keinen einzigen Menschen mit einem Gewissen, der dazu nicht in der Lage wäre. Und dennoch wollen es einige nicht. Ich hoffe und bete nur, dass es am Ende genug von uns gibt, die das Richtige tun.

Amerika ist gespaltener denn je. Wie bewerten Sie, wie Präsident Trump mit der Coronavirus-Krise umgeht?

Lassen Sie es mich so formulieren. Schon sehr bald werden wir alle die Möglichkeit haben, ihn zu bewerten. Und per Wahl zu entscheiden, ob er eine zweite Amtszeit verdient hat.

Wie sehen Sie das?

Es gibt ein Zitat, von wem genau weiß ich jetzt nicht, das lautet: “Das Einzige, was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist, dass gute Menschen nichts dagegen tun.” Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, er ist das Böse. Aber von Zeit zu Zeit bekommen wir in Amerika die Regierung, die wir verdienen. Ich gehöre zu denen, die nicht der Meinung sind, dass der Präsident diese Nation bestens beschützt und der Verfassung alle Ehre gemacht hat.

Hollywood steht noch immer still und die Covid-19-Zahlen in fast ganz Amerika steigen wieder. Haben Sie schon eine Idee, wann Sie als Nächstes wieder drehen können?

Wir hoffen, dass wir unseren Elvis-Film in Australien eventuell im Oktober weiterdrehen können. Der Wille ist auf jeden Fall da, doch noch brauchen wir einen Plan, der alle Regeln und Einschränkungen am Set umsetzen kann.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich dank der Black-Lives-Matter-Bewegung wirklich etwas für Afroamerikaner in Amerika ändert?

Als weißer Mann meiner Altersstufe kann ich nur versuchen, zuzuhören und zu schauen, wie ich mich einsetzen kann. Ich habe als junger, abgebrannter Schauspieler in New York die Erfahrung gemacht, dass ich ohne Probleme jedes Mal gleich ein Taxi bekommen habe. Für einen schwarzen Schauspielkollegen hat nicht ein einziges angehalten. Aber ich habe Hoffnung, dass Amerika den schrecklichen Tod von George Floyd nutzen kann, um das heutige Amerika zum Land für alle Amerikaner zu machen.

Von Dierk Sinderman/RND