Samstag , 24. Oktober 2020
Vergleichsweise ruhig: Ein Schild weist am Strand von Coney Island im Stadtteil Brookyin auf Abstandsregeln hin. Die Amerikaner feierten ruhiger als sonst. Am 4. Juli im Jahr 1776 nahmen Abgesandte der 13 amerikanischen Kolonien in Philadelphia offiziell eine Erklärung an, mit der sie sich als Vereinigte Staaten von Amerika von Großbritannien lösten. Quelle: John Minchillo/AP/dpa

4. Juli in den USA – Leere Strände, abgeblasene Feuerwerke

Die USA erlebten – so berichtet die „New York Times“ – den wohl ruhigsten 4. Juli ihrer Geschichte. Durch die schreckliche Corona-Entwicklung blieben viele Amerikaner den Paraden fern, Feuerwerke wurden abgeblasen. Sogar an den sonst dicht bevölkerten Stränden war deutlich weniger los als sonst.

“Furcht hing über dem diesjährigen 4. Juli”, leitete die “New York Times” (NYT) ihren Bericht zu den Nationalfeierlichkeiten am Samstag ein. Und Furcht hielt viele davon ab, das Sternenbanner zu schwenken. Von dem unglaublichen jüngsten Anstieg der Corona-Infektionen verstört und eingeschüchtert, hätten viele Amerikaner von ihren üblichen Patriotismusbezeugungen abgesehen.

Die 244. landesweite Unabhängigkeitsparty war, gemessen am Trubel normaler Jahre, klein und deprimierend. Feuerwerke wurden abgeblasen, Familienbesuche ebenfalls, viele Bars in Dutzenden amerikanischen Städten machten dicht. Auch an den sonst dicht bevölkerten Stränden von Miami, Los Angeles und anderen Küstenstädten herrschte vergleichsweise wenig Getriebe, viele Strandabschnitte wurden offiziell geschlossen, aus Sorge der politisch Verantwortlichen um die Gesundheit ihrer Bürger.

In Coney Island an der Südspitze von Brooklyn herrschte zwar reges Strandleben, insgesamt aber war festzustellen: Dass am Donnerstag und Freitag vor dem großen Feiertag mehr Corona-Infektionen als an irgendeinem anderen Tag der Pandemiephase registriert wurden, saß den Amerikanern offenbar schwer in den Knochen.

Das Hotdogessen und das Regierungsfeuerwerk fanden statt

Einiges fand laut “NYT” doch statt. Der berüchtigte Hot-Dog-Esswettbewerb auf Coney Island etwa, bei dem die Wettesser diesmal durch Barrieren voneinander getrennt worden waren, während sie Dutzende Würstchen vertilgten, ging über die Bühne. Und in Washington wurde das Feuerwerk der Regierung abgefackelt – trotz der Proteste des Bürgermeisters der Stadt.

Und dann gab es auch wieder große Antirassismusproteste, die in den USA nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai durch Polizisten zu allwochenendlichen Ereignissen in den USA geworden sind. Im Madison Square Park von Manhattan versammelten sich ungefähr 1000 Menschen, um an George Floyd zu erinnern: “Lasst den 4. Juli sausen. Verstärkt die schwarzen Stimmen”, stand auf einem Transparent zu lesen.

Die Bedingungen für ein Hot-Spot-Country USA waren perfekt

Experten hatten Schlimmes befürchtet: Der Nationalfeiertag fiel auf einen Samstag, hervorragendes Wetter herrschte praktisch in den gesamten Vereinigten Staaten und die Benzinpreise waren auf Tiefstand – man glaubte, dass die des monatelangen Darbens unter Restriktionen müden Amerikaner mehrheitlich ihr Verantwortungsbewusstsein vergessen würden. Reisen und Feiern.

Im sonnigen Galveston im US-Bundesstaat Texas, wo 34 Grad Celsius herrschten, wurden die 33 Meilen Strand offiziell geschlossen. Als “surreal” bezeichnete Polizeichef Peter Davis von der Galveston Island Strandkontrolle die Situation. Nie in all seinen Dienstjahren habe es am 4. Juli leere Strände gegeben. Eine kleine Gruppe von Demonstranten versammelte sich dann trotzdem auf verlorenem Posten – ohne Masken und mit “Beach Live Matters”-Schildern.

Ein Gefängniswärter wappnet sich gegen die Antifa

Und in Pinetop, Arizona, so berichtet die NYT, habe ein Gefängniswärter namens Bruce Benge eine Handfeuerwaffe mit einem Extramagazin auf den Rücksitz seines Trucks deponiert gehabt. Für den Fall, sagte er der NYT, dass Antifa-nahe Gruppen die Parade stören wollten.

RND/big