Mittwoch , 12. August 2020
Als ob Corona sich mit einem Schlag verflüchtigt hätte: Die britische Polizei sah am “Super Saturday” (wie hier in Soho) zahllose Menschen, die die Pandemie scheinbar vergessen hatten. Während der Gesundheitsminister – von Ausnahmen abgesehen – ein verantwortungsbewusstes Volk wahrnahm. Quelle: imago images/PA Images

“Super Saturday” in Großbritannien – Betrunkene, aber kein Superchaos

Die Corona-Distanz unter Pubbesuchern wurde laut Polizei vielerorts nicht eingehalten. Gesundheitsminister Matt Hancock dagegen sah fast ausnahmslos verantwortungsvolle Feten-Briten. Weil das Wetter schlecht war, und viele Pubs erst kommende Woche öffnen, blieb das befürchtete Superchaos indes aus.

Die Nachtschwärmer seien ganz klar unfähig gewesen, die Corona-Distanz einzuhalten. Das ist das generelle Fazit der britischen Polizei, die die Lockerungen in den britischen Städten und Gemeinden vom Samstag quasi hautnah inspizierte. Gesundheitsminister Matt Hancock dagegen äußerte sich positiver über die Mehrheit der Briten, die den “Super Saturday” feierten.

Sie hätten es richtig gemacht und den Abstand eingehalten, so wurde der Politiker in der Tageszeitung “The Telegraph” zitiert: “Bei dem, was ich gesehen habe, haben sich die Leute zu einem sehr, sehr großen Teil verantwortungsvolle verhalten, denke ich. Auch wenn es einige gegenteilige Bilder gegeben hat.”

Nackte Menschen, fröhliche und zornige Betrunkene

John Apter, Vorsitzender des Polizeiverbands von England und Wales, der in Southampton Dienst schob, erzählte, er habe es in der Nacht mit “nackten Menschen, fröhlichen Betrunkenen, wütenden Betrunkenen, Kämpfen und weiteren wütenden Betrunkenen” zu tun gehabt.

Bilder von eng an eng stehenden Pubbesuchern gab es auch aus Leeds, Newcastle und dem Londoner Stadtteil Soho. Während, wie der “Telegraph” berichtete, Pubs im nördlichen Nottinghamshire ihre Türen wegen unbotmäßigen Verhaltens der Kundschaft nach übermäßigem Alkoholgenuss wieder schlossen.

An diesem Wochenende öffneten in Großbritannien Pubs, Restaurants, Friseure und Kinos nach 104 Tagen Zwangspause. Die Polizei hatte dem “Super Saturday” mit Sorge entgegengesehen, weil es schon in den Wochen zuvor immer wieder zu Gewalt kam, als die Polizei unrechtmäßige Versammlungen in Parks und auf Plätzen auflöste.

Der landesweite Exzess blieb jedoch aus. Viele Briten blieben zu Hause, so das “Handelsblatt”, auch blieben viele Pubs freiwillig geschlossen und wollen erst in der kommenden Woche öffnen. Das unsommerliche Wetter – Regenschauer und Windböen – trug sein Übriges dazu bei, dass das Königreich nicht in einem Chaoswochenende versank.

RND/big