Mittwoch , 28. Oktober 2020
ARCHIV - 04.08.2015, Niedersachsen, Drage: Polizisten suchen am Elbufer nach einer vermissten Frau und ihrer Tochter. Vor fünf Jahren verschwindet eine Familie aus Drage spurlos. Wenig später wird der Vater tot aus der Elbe gezogen, seine Ehefrau und die zwölfjährige Tochter bleiben vermisst. Quelle: Philipp Schulze/dpa

Fünf Jahre danach: Die Verschwundenen von Drage bleiben ein Vermisstenfall

In einem kleinen Ort an der Elbe verschwindet im Sommer 2015 eine Familie. Kurz darauf wird der Vater tot aus dem Fluss gezogen. Seine Ehefrau und die zwölfjährige Tochter bleiben verschwunden. Wie sieht es fünf Jahre später aus – gibt es in dem Fall neue Spuren?

Drage. Auch fünf Jahre nach dem Verschwinden einer Familie aus Drage bei Hamburg bleiben die Akten offen – doch von Mutter und Tochter gibt es immer noch keine Spur. „Wir vermuten unverändert, dass der Familienvater die beiden umgebracht hat“, sagte Jan Krüger, Sprecher der zuständigen Polizeiinspektion Harburg.

Die dreiköpfige Familie war im Sommer 2015 zu Beginn der großen Ferien in Niedersachsen verschwunden. Am Abend des 22. Juli war der 41 Jahre alte Familienvater noch einmal lebend gesehen worden. Wenige Tage später zog die Feuerwehr ihn bei Lauenburg mit einem Betonklotz am Körper ertrunken aus der Elbe, die Behörden gehen von Suizid aus. Seine damals zwölf Jahre alte Tochter und ihre 43-jährige Mutter blieben verschwunden.

Sonderkommission ist inzwischen aufgelöst

Die für den Fall eingerichtete Sonderkommission ist lange aufgelöst. „Wir haben auch in den vergangenen beiden Jahren gelegentlich Hinweise bekommen, denen wir nachgegangen sind“, sagte Krüger. „Aber es war nichts dabei, dass zu einer konkreten Spur geworden ist.“ Der Fall sei weiter eine Vermisstensache und verjähre damit grundsätzlich nicht, erklärte er zur rechtlichen Lage. „Erst wenn Mutter und Tochter für tot erklärt oder gefunden werden, würden wir die Akten schließen.“ Das könne laut Bundesverschollenengesetz nach zehn Jahren geschehen.

Die Tochter war am letzten Schultag wegen einer Erkrankung daheimgeblieben, mit einer Freundin aus der Siedlung hatte sie einen Reiturlaub geplant. Ihre Mutter fuhr noch zur Arbeit bei einem Discounter, am Abend stellte der Familienvater die Mülltonne vor die Tür. Danach wurde keiner der drei mehr lebend gesehen. Zwei Jahre später wurden die Siegel an der Tür des Einfamilienhauses entfernt, es ist lange wieder bewohnt.

RND/dpa