Schon wieder Ärger im Netz: Das Motiv einer neuen Social-Media-Kampagne der Hamburger Polizei sorgt bei vielen Diabetikern für Entsetzen. Quelle: Polizei Hamburg (Screenshot)/imago images/Blaulicht News

“Insulin oder Heroin?”: Kampagne der Hamburger Polizei geht nach hinten los

Die Hamburger Polizei erntet Kritik für ein Plakatmotiv mit der Frage: “Insulin oder Heroin?” Das Werbeposter wird nach kurzer Zeit wieder gelöscht. Es ist bereits der dritte Social-Media-Fauxpas in nur zwei Wochen.

Die Hamburger Polizei hat mit einem neuen Plakatmotiv für Kritik gesorgt. Darauf zu sehen ist eine Person auf einer Parkbank, vor der eine kleine weiße Spritze liegt. Im Mittelpunkt des Posters prangt die Frage: “Insulin oder Heroin?”, verbunden mit dem Aufruf: “Geh auf Nr. sicher, ruf die Polizei.”

Das Motiv ist Teil einer neuen Kampagne unter dem Namen “In Hamburg schaut man hin”, mit der die Polizei für mehr Zivilcourage in der Stadt werben will. Offenbar kommt das gewählte Motiv aber nicht bei jedem gut an. Eine Nutzerin kommentiert auf Twitter: “Es trauen sich eh schon nicht alle mit Diabetes, sich öffentlich Insulin zu spritzen. Unter anderem genau wegen so was!”

Der Polizei wirft sie vor, mit ihrer Kampagne die Stigmatisierung und Diskriminierung von Diabetespatienten voranzutreiben, statt Vorurteile gegenüber Menschen mit Diabetes aus der Welt zu schaffen.

Dem schließen sich auch andere Nutzer an: “So etwas geht gar nicht, jetzt versucht man schon, Insulinkranke zu diffamieren”, schreibt ein Mann. “Muss ich jetzt auch noch Angst haben, dass jemand mir die Polizei auf den Hals hetzt, wenn ich mir öffentlich ’ne Injektion setze?!”, kommentiert eine andere Userin. “Mal ganz davon abgesehen, dass die Kampagne schon allein deswegen unglaublich dumm ist, weil man sich Insulin in der Regel nicht direkt in die Venen knallt.”

Das Plakat wird gelöscht

Die Pressestelle der Hamburger Polizei hat schnell auf die Vorwürfe reagiert. Auf Twitter und Facebook erklären die Beamten: “Eine Stigmatisierung von Insulinpflichtigen, wie sie einige Nutzer vermuten, war ausdrücklich nicht unsere Intention.” Mit den ungewöhnlichen Plakatmotiven habe man alarmieren und dazu anregen wollen, hinzusehen, um gegebenenfalls Hilfe zu leisten.

“Nachdem uns inzwischen mehrere Menschen ihr Missfallen des Motivs widergespiegelt haben, reagieren wir auf die Kritik und ziehen dieses Motiv zurück. Wir haben es entsprechend auf Facebook gelöscht.”

Schon der dritte Shitstorm in nur zwei Wochen

Die neue Kritik an der Werbekampagne ist bereits der dritte Shitstorm innerhalb von kaum zwei Wochen, den die Hamburger Polizei über sich ergehen lassen muss. Nach einem Tweet um Hilfe für schwarze Schwäne und Zweifeln an der Echtheit einer Postkarte eines Polizei-Fans sorgt nun das fragwürdige Drogenplakat für Aufmerksamkeit. Auch andere Motive der Kampagne kommen in den sozialen Medien nicht gut weg, wie weitere Nutzerkommentare unter dem Poster zeigen.

“Wenn Sie schon dabei sind, können Sie ja auch über dieses missglückte Motiv nachdenken”, schreibt ein Nutzer zum Slogan “Kumpel oder Klauer” – das Plakat zeigt einen Mann, der einem anderen in die Gesäßtasche greift.

Viele Nutzer sehen in dem Plakat eine homophobe Haltung der Polizei. Andere stören sich daran, dass die Kampagne, die auch physische Plakate im Hamburger Stadtbild umfasst, grundsätzlich zum Denunziantentum aufrufe.

Von Maximilian Arnhold/RND