Dienstag , 22. September 2020
275 tote Elefanten hat die Wildlife-Behörde in Botswana bisher im Okavangodelta gefunden. Quelle: Uncredited/hons/AP/dpa

Mysteriöses Elefantensterben: Botswanas Regierung in der Kritik

275 tote Elefanten seit Mai – das bestätigt die Regierung Botswanas nun. Obwohl das massenhafte Sterben bereits Mitte Mai bekannt war, gibt es nach wie vor Rätselraten über die Ursachen. Naturschützer kritisieren das langsame Vorgehen der Behörden.

Maun. Seit Wochen sterben sie einfach. Einige fallen schlicht um und sind tot, andere laufen erst noch im Kreis und verenden danach. Seit Mai sind im Okavangodelta in Botswana 275 Elefantenkadaver gefunden worden. Diese Zahl hat das Department of Wildlife and National Parks des Landes nun aktualisiert. In Medienberichten war zuvor von 356, in anderen sogar von mehr als 400 die Rede.

Die staatliche Naturbehörde ist nun allerdings Kritik ausgesetzt. Denn bereits Mitte Mai wurden die ersten Kadaver gefunden – Obduktionsergebnisse gab es bisher aber nicht. Schon damals zeichnete sich die Katastrophe aber ab – bei einem Rundflug über das Gebiet wurde nur wenige Tage nach den ersten Entdeckungen bereits 169 Kadaver gezählt, als offizielle Zahl hielt man aber an den zuvor kommunizierten 56 toten Tieren fest.

Mitte Mai kündigte die Behörde “baldige Obduktionsergebnisse” an

Damals hatte der Koordinator für regionale Wildlife-Fragen, Dimakatso Ntshebe, angekündigt, bald mit einem Obduktionsergebnis zu rechnen. Das bleibt bisher allerdings aus – und so geht das Sterben vorerst weiter. Inzwischen arbeiten Experten aus Südafrika, Simbabwe und Kanada daran, die Ursache für das Massensterben ausfindig zu machen, schrieb die Behörde auf ihrer Facebook-Seite. Die Tierschutzorganisation Wildlife at Risk Africa kommentierte das eher höhnisch mit: “Das Rad dreht sich, aber, oohhh, sooooo langsam.”

In Botswana lebt rund ein Drittel aller afrikanischen Elefanten überhaupt, im Okavangodelta finden sich rund 15.000 Exemplare. Dass so viele Tiere auf einmal und recht schnell verenden, ist neu. Bisher starben Hunderte Tiere nur in Folge von schweren Dürreperioden.

Milzbrand, eine bewusste Vergiftung der Tiere sowie Wilderei wurde schon recht früh ausgeschlossen. Milzbrand, das im Jahr zuvor 100 Elefanten tötete, konnte bei Untersuchungen nicht festgestellt werden, Vergiftungen von außen hätten auch andere Tiere im Umfeld betroffen, und Wilderer haben es in der Regel auf das Elfenbein in den Stoßzähnen abgesehen – die sind bei den Kadavern aber noch vorhanden.

Milzbrand und Wilderei ausgeschlossen – gibt es ein neues natürliches Gift?

Inwieweit die Tiere beispielsweise auf natürliche Art vergiftet wurden, etwa über neuartige Algen, ist noch nicht bekannt. Viele Kadaver fanden sich in einem bestimmten Umkreis, allerdings starben Elefanten über den gesamten Park hinweg. Auch in der Nähe von menschlichen Siedlungen fand man Kadaver – die Behörden riefen die Bevölkerung bereits frühzeitig dazu auf, das Fleisch nicht zu verspeisen, da die Todesursache unbekannt ist und somit eine Gefahr für Menschen bestehen könne.

Um Wilderer davon abzuhalten, die Elefanten aufzusuchen, werden die Stoßzähne der Kadaver entfernt. In Botswana kam es im Zuge der Corona-Krise zu einem enormen Anstieg an Wilderei. Bis Anfang Mai wurden allein 56 Nashörner getötet.

Von Miriam Keilbach/RND