Donnerstag , 1. Oktober 2020
In der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY... ungelöst” wurde am Mittwoch wieder nach Hinweisen im Verschwinden von Maddie McCann gesucht. Quelle: ZDF/dpa

Fall Maddie: Staatsanwalt sieht keinen Tatverdacht

Die Ermittler sind sich sicher, dass Christian B. Madeleine McCann entführt und getötet hat. Doch genügend Beweise gibt es dafür nicht. Für einen Haftbefehl reicht die aktuelle Indizienlage nicht, sagt der leitende Staatsanwalt.

Auch wenn sich die Staatsanwaltschaft sicher ist, mit Christian B. aus Braunschweig den Entführer und Mörder der dreijährigen Madeleine McCann gefunden zu haben, reichen die Indizien derzeit nicht für einen Haftbefehl gegen den 43-Jährigen. Aktuell gebe es keinen dringenden Tatverdacht gegen B., sagte der leitende Staatsanwalt Christian Wolters gegenüber “Spiegel Online”.

Für Wolters ist das derzeit aber kein Problem. ”Wir gehen davon aus, dass B. wegen anderer Delikte noch bis Anfang 2021 in Haft ist.” Selbst wenn er die aktuelle Haftstrafe wegen Drogendelikten in wenigen Monaten abgesessen habe, kommt wahrscheinlich eine weitere Haftstrafe für die Vergewaltigung einer 72 Jahre alten Frau in Portugal hinzu, das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Am 16. Juli soll dahingehend eine Entscheidung gefällt werden.

Staatsanwaltschaft hat noch keinen Beweis, dass Maddie tot ist

B., der einige Jahre in Portugal an der Algarve lebte, wird vorgeworfen, 2007 die damals dreijährige Maddie aus einem Ferienappartement in Praia da Luz entführt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordverdacht. B. hat die Tat abgestritten. Erst vor wenigen Wochen räumte Wolters allerdings ein, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass Maddie tot ist – was zu Kritik von den Eltern und der britischen Öffentlichkeit führte.

Vor rund einem Monat gingen die Ermittler in dem Fall an die Öffentlichkeit – nachdem sie drei Jahre im Geheimen gegen B. ermittelt hatten. Nach einem ersten Aufruf in der ZDF-Sendung “Aktenzeichen XY… ungelöst” gingen 800 Hinweise ein. Am Mittwoch folgte eine zweite Sendung, die mehr als fünf Millionen Menschen gesehen haben.

RND/msk