Montag , 28. September 2020
In der Domstadt kam es zum Eklat: Ein Imbissbesitzer zeigte den Hitlergruß. Quelle: Marius Becker/dpa

Eklat in Köln: Imbissbesitzer brüllt “Heil Hitler!”

Ein Imbissbesitzer in Köln lässt in voller Lautstärke die “Über alles”-Strophe des “Deutschlandliedes” laufen und singt aus vollem Halse mit. Dann hebt er die Hand zum Hitlergruß, später brüllt er “Heil Hitler!”. Die Szene wird gefilmt, die Polizei gerufen, jetzt wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Köln. Es geschah am Mittwochabend in der Kölner Innenstadt. Ein 47-jähriger Imbissbesitzer tritt gegen 21.30 Uhr vor seinen Laden am belebten Eigelstein. Während aus dem Inneren seines Geschäfts die erste Strophe des “Deutschlandliedes” (”Deutschland, Deutschland, über alles …”) auf den Bürgersteig dröhnt, hebt der Mann die rechte Hand zum Hitlergruß auf Augenhöhe und singt lauthals mit. Dies berichtet die “Bild”-Zeitung.

Hitlergruß als Reaktion auf “Scheißausländer”-Beleidigung

Eine junge Passantin wagt es, den Gastronomen anzusprechen. Der antwortet ihr, er sei hier gerade als “Scheißausländer” beschimpft worden. Zu sehen ist der Vorgang auf einem Video. Die Frau wendet sich ab, der Imbissbesitzer wiederholt seine Geste, brüllt “Heil Hitler!”.

Die Polizei wird herbeigerufen, sie nehmen den Mann, der sich laut Zeugenaussagen gewehrt haben soll, mit aufs Revier. Er wird noch am selben Abend wieder freigelassen. Ermittelt wird trotzdem gegen ihn – wegen Volksverhetzung. Der Mann, der sich selbst als “Kölsch-Italiener” bezeichnet, hatte laut “Kölner Stadt-Anzeiger” auch die DDR-Hymne und die italienische Nationalhymne gespielt.

“Deutschlandlied” nicht strafbar, Hitlergruß schon

Die erste Strophe des “Deutschlandliedes” zu singen ist in Deutschland an sich keine strafbare Handlung. Da die darin von dem Liedautor aufgeführten geografischen Ränder Deutschlands nicht den territorialen Gegebenheiten der Bundesrepublik entsprechen und die Zeile “Deutschland, Deutschland, über alles” im Dritten Reich einherging mit der NS-Idee einer Überlegenheit des Deutschen, einer Klassifizierung der Menschheit in Herrenmenschen und Untermenschen, wird sie aber bis heute mit nationalistischer, rechtsextremer Gesinnung in Verbindung gebracht. Die Nationalhymne der Bundesrepublik ist die dritte Strophe des “Deutschlandliedes” (”Einigkeit und Recht und Freiheit …”)

Den Hitlergruß zu zeigen hingegen ist in Deutschland eine Straftat. Laut Paragraf 86a Absatz 1 und 2 des Strafgesetzbuches ist es nicht erlaubt, nationalsozialistische Symbole, Grußformeln oder Parolen zu verwenden. Wer den rechten Arm hebt und “Heil Hitler!” ruft, muss mit Geldstrafen oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. Bestraft wird auch, wenn der Hitlergruß – wie möglicherweise in diesem Fall – nicht Zeichen einer ultrarechten Gesinnung ist, sondern als Provokation gezeigt wird.

RND/big