Montag , 19. Oktober 2020
Rettungskräfte sind nach dem Erdrutsch in dem Jade-Bergwerk im Einsatz. Quelle: imago images/Xinhua

Zahl der Toten nach Unglück in Myanmar steigt auf über 160 – Bergung dauert an

Das Geschäft mit Jade bringt viele Gewinne. Deshalb schauten Unternehmen und Regierung bei der Sicherheit in den Bergwerken auch weg, klagen Kritiker. Ein Unglück hat nun über 160 Menschen das Leben gekostet.

Mindestens 162 Menschen sind bei einem Erdrutsch in einem Jade-Bergwerk in Myanmar ums Leben gekommen. Seit Jahren hat es kein so verheerendes Unglück mehr im Bergbau gegeben wie das am Donnerstag. Kritiker machten die myanmarische Regierung verantwortlich, die nichts gegen die unsicheren Arbeitsbedingungen unternommen habe.

Zwölf Stunden nach dem Unglück am Morgen habe man mehr als 160 Leichen aus dem Erdrutsch in Hpakant geborgen, meldete die Feuerwehr. Nach Anbruch der Dunkelheit wurde die Suche eingestellt. Eine unbekannte Zahl an Menschen wurde noch vermisst. Retter brachten 54 Personen verletzt in Krankenhäuser. „Die Jade-Bergarbeiter wurden unter einer Matsch-Welle begraben“, erklärte die Feuerwehr. Die Gegend Hpakant im Staat Kachin ist das Zentrum der weltgrößten und ertragreichsten Jade-Bergbauindustrie.

Kritik an der Regierung

Die in London ansässige Organisation Global Witness kritisierte den Unfall als Beispiel für das Versagen der Regierung, die rücksichtslosen und unverantwortlichen Praktiken in den Jade-Bergwerken einzudämmen. „Die Regierung sollte den umfassenden, illegalen und gefährlichen Abbau in Hpakant sofort unterbinden und sicherstellen, dass Unternehmen nicht mehr arbeiten können, die diese Praktiken fördern.“

Global Witness untersucht den Missbrauch von Einnahmen aus Bodenschätzen. Ihr zufolge gehören viele der Bergbauunternehmen in Hpakant den Familien ehemaliger Generäle, der Armee, damit zusammenhängendem Klüngel und Drogenbaronen. Über deren „Ausplünderung Hpakants“ heißt es in einem Bericht der Organisation von 2015: „Ihre Hinterlassenschaft für die Menschen vor Ort ist ein dystopisches Ödland.“

Schwierigkeiten bei der Vermissten-Suche

Bei den Opfern solcher Unglücke handelt es sich häufig um selbstständige Schürfer, die sich neben riesigen Haufen aus Erdreich niederlassen, das von großen Bergbaumaschinen ausgehoben wurde. Die selbstständigen Schürfer, die nach Jadestückchen suchen, arbeiten und leben gewöhnlich am Fuß der Erdhaufen, die während der Regenzeit besonders instabil werden. Die meisten Arbeiter sind unregistrierte Zuzügler aus anderen Gebieten, was es nach solchen Unglücken schwer macht, herauszufinden, wie viele Menschen genau vermisst werden.

Die Opferzahl vom Donnerstag überstieg noch die eines Unglücks im November 2015, das bislang mit 113 Toten als das tragischste in Myanmar galt. Damals kollabierte ein 60 Meter hoher Hügel aus Erde und Müll mehrerer Bergwerke mitten in der Nacht und begrub mehr als 70 Hütten, in denen Bergarbeiter schliefen.

RND/AP