Weil Kinder seit Ausbruch der Corona-Krise offensichtlich häufiger als vorher Opfer von Gewalt sind, fordert Unicef Deutschland, die Hilfsangebote auszubauen. (Symbolbild) Quelle: Gero Breloer/dpa

Unicef fordert mehr Hilfsangebote für Gewalt gegen Kinder während der Corona-Krise

Seit der Corona-Krise gehen weltweit mehr Anrufe bei Hilfetelefonen für Missbrauch ein. Unicef fordert daher einen Ausbau der Hilfsangebote für Opfer von Gewalt. Vor allem Kinder benötigten Unterstützung derzeit am dringendsten.

Berlin. Weil Kinder seit Ausbruch der Corona-Krise offensichtlich häufiger als vorher Opfer von Gewalt sind, fordert Unicef Deutschland, die Hilfsangebote auszubauen. "Gewalt kann langanhaltende Narben im Leben von Kindern hinterlassen", sagte am Donnerstag die UN-Sonderbeauftragte zu Gewalt gegen Kinder, Dr. Najat Maalla M’jid. "Die Covid-19-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben für Kinder das Risiko erhöht, dass sie Gewalt in ihrem Zuhause, online und in ihrem Umfeld erfahren." Gleichzeitig seien grundlegende Unterstützungsangebote, um Gewalt zu verhindern und darauf zu reagieren, genau zu dem Zeitpunkt eingeschränkt, an dem Kinder sie am dringendsten benötigten.

Corona-Maßnahmen bedeuten höheres Gewalt-Risiko

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und ihre sozialen und wirtschaftlichen Folgen haben Unicef zufolge insbesondere für zuvor gefährdete Kinder erhebliche Belastungen nach sich gezogen. Die aus den Einschränkungen resultierenden Stressfaktoren bedeuteten ein erhöhtes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden. Bei Entscheidungen zur Bekämpfung der Pandemie müssten daher die Auswirkungen auf Kinder und auf deren Rechte ein größeres Gewicht erhalten und der Kinderschutz als systemrelevant anerkannt werden. In mehreren Ländern hätten Hilfetelefone für Missbrauch erheblich mehr Anrufe verzeichnet, so Unicef. In Deutschland hätten zuletzt deutlich mehr Kinder bei der Kinderschutzhotline angerufen.

Gewalt gegen Kinder ist nach Angaben des Kinderhilfswerk weltweit verbreitet. Schätzungen zufolge sei jährlich jedes zweite Kind zwischen 2 und 17 Jahren von physischer, sexueller oder psychischer Gewalt betroffen. Schockierende Verbrechen an Kindern, wie zuletzt in Münster oder Lügde, fänden punktuell große Beachtung. Gleichzeitig blieben die vielen alltäglichen Gewalterfahrungen, die Kinder in ihrem nahen Umfeld oder im Internet erleiden, weitgehend unsichtbar.

RND/dpa