Dienstag , 20. Oktober 2020
Die Proteste in Äthiopien fanden Widerhall bis in die USA: Mitglieder der Oromo-Gemeinde von Minnesota halten Flaggen hoch und singen Lieder des toten Sängers Hachalu Hundessa. Die Demonstranten blockierten den Verkehr auf der Interstate 94 als Protest gegen die Ermordung des Künstlers. Quelle: Evan Frost/Minnesota Public Radi

Erschossener Sänger beerdigt – 90 Tote bei Protesten in Äthiopien

Der äthiopische Protestsänger Hachalu Hundessa galt als Verfechter der sich diskriminiert fühlenden Bevölkerungsgruppe der Oromo. Nach seiner Ermordung brachen Proteste aus, die niedergeschlagen wurden – mehr als 90 Menschen starben. Währenddessen wurde der Künstler im kleinen Kreis beerdigt.

Addis Abeba. Bei Protesten in Äthiopien nach dem Tod eines prominenten Sängers sind mehr als 90 Menschen getötet worden. Im Bundesstaat Oromia seien mindestens 81 Menschen ums Leben gekommen, zitierte die regierungsparteinahe Nachrichtenseite Walta Info den Polizeichef der Region. Zudem seien in Addis Abeba zehn Leute getötet worden, darunter zwei Polizisten, sagte der Polizeichef der Hauptstadt am Donnerstag im staatlichen Fernsehen.

Der Sänger Hachalu Hundessa, der für seine politischen Lieder bekannt ist und als Verfechter der Bevölkerungsgruppe der Oromo angesehen wird, wurde am Montag durch Schüsse getötet. Daraufhin kam es am Dienstag in Addis Abeba sowie in Oromia zu teilweise blutigen Protesten. Reifen wurden verbrannt, Statuen gestürzt.

Proteste gegen die Ermordung auch in den USA

Auch in anderen Ländern wie den USA fanden die Proteste Widerhall bei äthiopisch-stämmigen Gemeinschaften. So hielten Mitglieder der Oromo-Gemeinde von Minnesota Flaggen hoch und sangen Lieder des ermordeten Sängers. Die Demonstranten blockierten den Verkehr auf der Interstate 94 als Protest gegen die Bluttat.

Die Hintergründe der Ermordung Hachalu Hundessas sind nicht bekannt. Der Sänger wurde am Donnerstag in Ambo in der Oromia-Region beerdigt. Eine kleine Menschenmenge nahm an der Zeremonie teil, wie im staatlichen Fernsehen zu sehen war.

Internet blieb in Teilen Äthiopiens abgeschaltet

Am Donnerstag blieb auch das Internet in Teilen Äthiopiens weiterhin abgeschaltet. Aus dem Grund konnte unter anderem das wöchentliche Online-Briefing der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (AU) zur Lage der Corona-Krise in Afrika nicht stattfinden.

Human Rights Watch kritisierte das Verhalten der Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstranten scharf. „Die Reaktion der Regierung auf die Proteste droht seit langem, schwellende Spannungen zu verschärfen“, hieß es.

Die Oromo – die größte ethnische Gruppe in Äthiopien – fühlen sich seit Jahren marginalisiert. Regierungschef Abiy Ahmed, der 2018 an die Macht kam, gilt zwar als Reformer und viele hofften, dass er auch die ethnischen Konflikte in dem Vielvölkerstaat befrieden kann. Allerdings sind diese während seiner Amtszeit angestiegen.

RND/dpa