Freitag , 18. September 2020
Zur CSD-Saison hat die Deutsche Bahn einen Werbespot veröffentlicht. Quelle: Deutsche Bahn

Zug in Regenbogenfarben: Deutsche Bahn startet Pride-Kampagne

Zur CSD-Saison zeigt sich die Deutsche Bahn besonders aktiv. Nach einem viralen Tweet folgt nun eine ganze Werbekampagne für die LGBT-Community – und ein Zug in Regenbogenfarben.

Berlin. Zur CSD-Saison setzen immer mehr Unternehmen ein Zeichen für Vielfalt. Besonders aktiv ist in diesem Bereich derzeit die Deutsche Bahn: Schon zur Global-Pride-Veranstaltung am 27. Juni twitterte das Unternehmen eine Regenbogenflagge aus Herzchen-Emojis – und seit Mittwoch gibt es sogar eine ganze Werbekampagne für die LGBT-Community.

In einem Werbespot, den das Unternehmen in den sozialen Netzwerken veröffentlichte, sind queere Bahnkunden in den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu sehen: Eine Bauarbeiterin am Imbisswagen, zwei ältere Herren in Lack und Leder im Wohnzimmer, eine Dragqueen beim Hundespaziergang, ein lesbisches Pärchen im Zug – und eine Transgender-Schaffnerin. Der Spot endet mit dem Satz “Pride ist jeden Tag” und den Worten: “Willkommen, du passt zu uns.”

Bahn wirbt um queere Mitarbeiter

Gezeigt wird auch ein Intercity der Bahn: Er ist lackiert in Regenbogenfarben, darauf der Schriftzug: “Take a Pride Ride”. Ein PR-Gag ist das nicht: Der Zug wird laut Bahn tatsächlich in ganz Deutschland unterwegs sein. Zudem weht bundesweit an 63 Bahnhöfen und DB-Bürogebäuden die Regenbogenflagge. Im Herbst soll es eine konzernweite “Woche der Vielfalt” geben.

Die Initiative sei zusammen mit dem konzernweiten LGBTIQ*-Netzwerk “railbow” entstanden, teilt das Unternehmen mit. In diesem setzen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens für die Förderung gegenseitigen Respekts ein. Auf einer eigens geschalteten Website wirbt die Bahn zudem um queere Mitarbeiter.

Hintergrund der Werbekampagne sei die derzeit schwierige Situation für die queere Community. Wegen der Corona-Pandemie wurden die meisten CSD-Veranstaltungen abgesagt. Das Problem wird auch in dem Werbefilm der Bahn thematisiert.

Im Netz kommt die Kampagne der Bahn gut an: “Die Bahn ist wirklich ein Vorreiter beim Thema Gleichstellung. Ich bin stolz auf dieses Unternehmen, das eindeutig die (Pride-)Flagge zeigt und Stellung bezieht”, schreibt ein Nutzer auf Twitter. Aber auch Kritik wird laut: Ein Kommentator auf Youtube findet, das Video transportiere zu viele “Klischees”.

Bahn kontert AfD-Politiker

Schon am Wochenende hatte die Bahn einen viralen Hit auf Twitter gelandet. Auf einen Regenbogen-Tweet zu den “Global Pride”-Veranstaltungen hatte der AfD-Politiker Gunnar Lindemann geantwortet: “Das erklärt natürlich ihre regelmäßigen Verspätungen.” Zudem unterstellte er dem Unternehmen eine “linksextremistische Gesinnung”.

Das Social-Media-Team der Bahn konterte, und bekam für die Antwort viel Zuspruch: “Das zeigt einfach nur, dass wir alle Menschen akzeptieren und respektieren. Sollten Sie vielleicht auch mal ausprobieren.”

Toleranz fürs Marketing

Dass Unternehmen zur Pride-Saison Flagge zeigen, ist derweil keine Seltenheit. Auf CSD-Veranstaltungen sind immer wieder die Logos bekannter Unternehmen zu sehen, etwa von Rewe, Google oder Amazon, mal fährt auch ein in Regenbogenfarben gehüllter BMW mit. Modemarken wie Adidas und Levi’s haben sogar ganze “Pride Collections”, Apple bietet ein Regenbogenarmband für seine Apple Watch an.

Doch nicht immer stößt das Engagement der Firmen auch auf Gegenliebe bei der Community. Gerade Modemarken lassen ihre Produkte häufig in Ländern herstellen, in denen LGBT-Rechte praktisch nicht existent sind.

Auch wird den Unternehmen häufig vorgeworfen, die Toleranz nur zu Marketingzwecken auszupacken. Der Fachbegriff dafür nennt sich “Queerbaiting” oder auch “Pinkwashing”, also: Das Ranschmeißen an die LGBT-Community, nur um am Ende Produkte zu verkaufen.

RND/msc