Samstag , 19. September 2020
Georg Ratzinger (l.) und sein Bruder, der spätere Papst Benedikt XVI. Quelle: picture alliance / dpa

Papst Benedikt und sein Bruder Georg: “Sie waren unzertrennlich”

Papst Benedikt XVI. und sein älterer Bruder Georg Ratzinger standen sich ihr Leben lang sehr nah. “Georg und Joseph sind unzertrennlich”, heißt es in einer jüngst erschienenen Biografie. Jetzt ist der ältere Ratzinger-Bruder im Alter von 96 Jahren gestorben.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. trauert um seinen Bruder: Georg Ratzinger ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Wie eng beide verbunden waren, beschreibt der Autor Peter Seewald in seiner jüngst erschienenen Biografie “Benedikt XVI. – Ein Leben”.

Joseph Ratzinger und sein Bruder Georg, der viele Jahre lang Domkapellmeister am Regensburger Dom und damit Chef der Regensburger Domspatzen war, standen sich nicht nur nah. “Georg und Joseph sind unzertrennlich”, schrieb der Autor Peter Seewald in seiner jüngst erschienenen Biografie “Benedikt XVI. – Ein Leben”. “Wir gehörten halt einfach zusammen”, zitierte der Autor und Ratzinger-Vertraute Seewald den jüngeren Ratzinger-Bruder darin.

Die beiden ähneln sich nicht nur durch das schlohweiße Haar und den gebückten Gang: Beide wurden am 29. Juni 1951 im Freisinger Dom von Kardinal Michael Faulhaber zu Priestern geweiht. Im Traunsteiner Knabenseminar, das sie zuvor besucht hatten, hieß Joseph mit Spitznamen “Bücherratz”, Georg war der “Orgelratz”.

Georg erfuhr von der Papst-Wahl seines Bruders vor dem Fernseher

Als eine der glücklichsten Zeiten in seinem Leben bewertet Joseph Ratzingers Biograf und Vertrauter Seewald die Zeit zwischen 1969 und 1977, als er dort Professor für Dogmatik war: “Regensburg war bayerisch. Regensburg war Heimat. Joseph würde in Ruhe an seinem theologischen Werk arbeiten können. Er würde für sich und seine Schwester ein Haus bauen. Die Familie war wieder zusammen und Georg hätte nach den fünf schweren Jahren als musikalischer Leiter der Domspatzen endlich Unterstützung zur Seite.”

Als Georg am 19. April 2005 vor dem Fernseher saß und hörte, wie nach dem “Habemus Papam” der Name “Joseph Ratzinger” über den Petersplatz schallte, soll er kreidebleich in seinem Stuhl zusammengesackt sein, weil ihm klar wurde, dass es von diesem Moment an kaum noch ein Privatleben mit seinem Bruder geben würde. Doch der Kontakt blieb eng, die Brüder telefonierten mehrmals die Woche.

Knapp acht Jahre nach jenem Schockmoment vor dem Fernseher, als Benedikt als erster Papst der Neuzeit zurücktrat, war Georg es, der dies mit dem vielzitierten Satz “Das Alter drückt” erklärte.

Geburtstagsfeiern mit bayerischem Bier, Weißwürsten und Brezen

Die Brüder konnten sich seitdem wieder ohne protokollarischen Zwang treffen. “Als Papa emeritus organisierte er für den erblindeten Bruder eine Haushälterin, die er persönlich bei einem Vorstellungsgespräch in den Vatikanischen Gärten kennenlernen wollte”, schreibt Seewald.

Normalerweise verbrachte Georg stets zusammen mit seinem Bruder dessen Geburtstag im Vatikan. Mit bayerischem Bier, Weißwürsten und Brezen. In diesem Jahr allerdings fiel der Besuch aus – im April war höchste Corona-Alarmstufe in Italien und Deutschland. Ein Reise war schon alleine deshalb unmöglich.

Dass die beiden Brüder immer mehr abbauten, ist kein Geheimnis. Georg hatte 2018 der Deutschen Presse-Agentur gesagt, er bete jeden Tag “um eine gute Todesstunde für meinen Bruder und mich”. Humorvoll fügte er hinzu: “Wie wir halt sind, wir alten Dackel.”

Auch Benedikt äußerte sich immer wieder zu einem bevorstehende Ende. “Während meine physischen Kräfte langsam schwinden, pilgere ich innerlich nach Hause”, schrieb er vor zwei Jahren in einem Brief an eine italienische Zeitung.

Letzter Besuch bei seinem Bruder vor wenigen Tagen

Doch auch wenn die körperlichen Kräfte nachlassen: Immer wieder dringen Äußerungen von Benedikt aus dem Vatikan – und richten Skandale an. Nicht zuletzt sein Privatsekretär Georg Gänswein gilt da als Strippenzieher, der Benedikts Vermächtnis auch unter dessen Nachfolger Franziskus weiterleben lassen will. Gänswein ist mittlerweile auch nicht mehr als Präfekt des Päpstlichen Hauses für Franziskus aktiv.

Der Kurienerzbischof war nun auch bei Benedikts letztem Besuch bei seinem Bruder vor wenigen Tagen dabei. Wie ernst es da bereits war, zeigte die Tatsache, dass Benedikt seit mehr als sieben Jahren den Vatikan nicht mehr verlassen hatte. Jetzt ist sein Bruder mit 96 Jahren gestorben.

RND/dpa