Mittwoch , 21. Oktober 2020
Pierce Brosnan verbringt die Corona-Zeit auf einer Insel.

Ex-Bond-Darsteller Pierce Brosnan: “Corona zwingt einen, sich mit seiner Sterblichkeit zu arrangieren”

Von “James Bond” zum ESC: Pierce Brosnan spielt im “Eurovision Contest: The Story of Fire Saga” Will Ferrells Vater. Im RND-Interview spricht er über die Hintergründe und den Umgang mit der Corona-Krise. Außerdem erzählt er, was er von seinen Kindern in dieser Zeit lernen kann.

Für die Amerikaner hat der Eurovisionswettbewerb etwas komisch-exotisches. Kein Wunder, dass der Hollywoodkomiker Will Ferrell aus dem Thema jetzt eine Kino-Comedy gemacht hat – “Eurovision Contest: The Story of Fire Saga” läuft seit Freitag auf Netflix. Zur Unterstützung holte er sich Ex-James-Bond-Darsteller Pierce Brosnan an Bord. Der gebürtige Ire kennt die große Bedeutung des Dauerbrenners der Unterhaltungsindustrie aus eigener Erfahrung.

Will Ferrell, erinnern Sie sich an einen Höhepunkt?

Ich war 1974 auf der Schauspielschule in London, als Abba gewonnen hat. Das war eine gigantische Nacht, in der ich die Bedeutung so richtig begriffen habe. Vorher hab ich es nur als ein etwas albernes, aber sehr unterhaltsames Event gesehen, bei dem Leute leidenschaftlich für ihr Land angetreten sind.

Vor 25 Jahren waren Sie James Bond. Heute spielen Sie Will Ferrells Vater …

Ja, ja ich weiß, wie konnte es nur so weit kommen. Ich bin ein Riesenfan von Will und wollte schon immer mit ihm zusammen arbeiten. Und die ganze Sache mit mir als Vater ist natürlich mit einem Gag verbunden. Aber das werden Sie schon sehen, wenn Sie den Film schauen …

Wo sind Sie eigentlich gerade? Es sieht sehr tropisch im Hintergrund aus.

Sie haben mich per virtueller Verbindung in unserem Haus am Nordstrand der Insel Kauai erwischt. Ich bin hier mit meiner Frau Keely und unseren Söhnen Dylan und Paris. Wir haben uns Mitte März hierher zurückgezogen. Es ist nicht der schlechteste Platz für eine Quarantäne, insbesondere weil es auf unserer Insel bislang Gott sei Dank nur sehr wenige Fälle von Covid-19 gibt.

Man sieht Ihnen Ihr Alter zwar nicht an, aber mit 67 gehören Sie zur Risikogruppe.

Das ist mir sehr deutlich bewusst. Ich habe bereits zwei Freunde durch dieses schreckliche Virus verloren. Es zwingt einen, sich mit seiner eigenen Sterblichkeit zu arrangieren. Deshalb ist es wichtig, sein Leben zu genießen und zu realisieren, wie großartig es ist.

Wie haben Sie sich in den letzten Monaten auf der Insel die Zeit vertrieben?

Meine wundervolle Frau Keely weiß, wie sie mich inspiriert, vor die Tür zu gehen. Wir haben einen wundervollen Garten und unser Haus liegt direkt am Wasser. Wir schwimmen jeden Morgen und jeden Abend. Dann habe ich ein kleines Atelier hier und arbeite an meiner Kunst. Und ich lese sehr viel.

Hinter ihnen hängt ein Gemälde, das das Meer zeigt. Ist das ein echter Brosnan?

Nein, das habe ich während der Dreharbeiten zu meinem ersten “James Bond” in Sydney erworben. Von einem jungen Aborigine-Künstler. Es ist wundervoll und bedeutet mir viel.

Wie verträgt sich die Familie, wenn man die ganze Zeit unter einem Dach lebt?

Natürlich gibt es immer mal wieder kleinere Spannungen. Es bleibt ja nicht aus, dass man sich ab und zu auf die Nerven geht. Aber grundsätzlich haben wir uns toll verstanden und ich bin sehr dankbar dafür, diese intensive Zeit mit meiner Familie gehabt zu haben.

Im Film vermitteln Sie Ihrem Sohn, dass man für seine Träume kämpfen muss. Was haben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg gegeben?

Ich habe versucht, ihnen klar zu machen, dass sie ihr Leben mit voller Leidenschaft leben sollen. Man will als Vater seinen Kindern alle essenziellen Lebensphilosophien weitergeben und hofft, dass davon was hängen bleibt. Inzwischen sind sie alt genug, dass sie mich Dinge lehren.

Zum Beispiel?

Grundsätzlich, dass ich alt werde. (lacht) Nein, im Ernst. Generell ist es die Blickweise, mit der sie der Welt begegnen. Sie sehen all das, was gerade abgeht, nicht als Chaos, sondern als Chance zum Neuanfang.

Wird man mit dem Alter auch weiser?

Zumindest lernt man, sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen. Um da hinzukommen, habe ich sehr lange Zeit gebraucht. Ich habe einen Pfad gefunden, der direkt in mein Herz führt. Sorry, das klingt jetzt sehr esoterisch. Was ich damit sagen will: Ich habe einen Weg entdeckt, mich selbst aufzubauen, mir meine Selbstzweifel auszureden und davon zu überzeugen, dass ich ein guter Schauspieler, ein guter Mann und ein guter Vater bin.

Wenn man, so wie Sie, in der Südsee von der Welt abgeschottet ist, geht da nicht die Verbindung mit Freunden flöten?

Leider sind die Kontakte sehr von der Technologie abhängig. Und mit der habe ich absolut nichts am Hut. Gott sei Dank weiß Keely, wie man das iPad und den Laptop bedient und wie man ein Videointerview – wie jetzt mit Ihnen – einfädelt.

Von Dierk Sinderman/RND