Freitag , 23. Oktober 2020
Der DLRG warnt vor zunehmenden Badeunfällen an deutschen Seen und Flüssen im Sommer.

Schreckliche Unfälle am Wochenende: DLRG warnt vor mehr Badetoten

Mehrere Menschen sind am Wochenende in Seen und Flüssen ums Leben gekommen, besonders tragisch ist der Tod einer Mutter und ihres Sohnes im Rhein. Die DLRG warnt nun: Die Zahl der tödlichen Badeunfälle könnte in diesem Sommer besonders stark ansteigen – wegen Corona.

Die erste Hitzewelle hat in Deutschland viele Schwimmbegeisterte an die Badeseen und Flüsse des Landes getrieben. Dabei ist es auch zu einigen schrecklichen Badeunfällen gekommen, mehrere Menschen starben. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt jetzt: Die Zahl der Badetoten könnte diesen Sommer weitaus höher sein als in den vergangenen Jahren – auch wegen Corona.

Mutter stirbt, als sie ihren Sohn retten will

Besonders tragisch ist das Unglück einer Mutter und ihres fünfjährigen Sohnes, die bei einem Schwimmausflug am Wochenende ums Leben kamen. Am Samstagabend war der Junge im hessischen Trebur (Kreis Groß-Gerau) beim Baden im Rhein untergegangen – bei dem Versuch, ihn zu retten, starb auch seine Mutter. Beide seien von der starken Strömung mitgerissen worden und ertrunken, so die DLRG Rheinhessen.

Auch in Niedersachsen ist es am Wochenende zu ähnlich tragischen Unfällen an zwei Badeseen gekommen. Am Ölper See in Braunschweig starb ein 38-Jähriger, Rettungskräfte fanden den leblosen Mann etwa zehn Meter vom Ufer entfernt. Die Ursache des Unglücks blieb zunächst unklar – ebenso wie in einem ähnlichen Fall in Winsen an der Aller. Dort wurde ein 17-Jähriger am Kalka-See westlich von Celle tot von einem Taucher geborgen.

81-Jähriger ertrinkt beim Schwimmen mit seiner Frau

Im Krakower See im Landkreis Rostock in Mecklenburg ist ebenfalls ein Mann ohne erkennbare Ursache in Not geraten, er wurde schließlich von mehreren Angehörigen an Land gezogen. Der 53-Jährige starb trotz Wiederbelebungsversuche am Samstagnachmittag. Auch im “Lago Laprello” in Heinsberg ertrank vor wenigen Tagen ein 26-jähriger Mann. Ein 16-Jähriger sprang noch in den See und brachte den Mann ans Ufer. Er starb wenig später im Krankenhaus.

Ebenso tragisch ist der Tod eines des 81 Jahre alten Mannes am Sonntagnachmittag in einem Badesee in Oberbayern. Der Rentner schwamm zunächst mit seiner Ehefrau im Thansauer See in der Gemeinde Rohrdorf (Landkreis Rosenheim). Nach wenigen Minuten drehte er am Sonntagnachmittag um. Als seine Frau später ans Ufer zurückkehrte, sei der Mann verschwunden gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Retter fanden nach zweistündiger Suche am Grund des Sees den leblosen Körper.

DLRG warnt vor mehr Badeunfällen in diesem Sommer

Der DLRG beobachtet die sich häufenden Badetoten und befürchtet eine weiter steigende Zahl in diesem Sommer. Der Grund: Viele Menschen können nicht sicher schwimmen. Ein Problem, das durch die Corona-Krise noch verschärft werden könnte: “Insgesamt haben wir Angst davor, dass die Schwimmfertigkeit noch weiter nachlässt”, sagte DLRG-Sprecher Achim Wiese. Denn neben den bekannten Problemen wie einer sinkenden Zahl von Schwimmbädern und langen Wartezeiten für Schwimmkurse komme in diesem Jahr die Corona-Pandemie dazu. Dadurch seien Schwimmbäder wochenlang geschlossen gewesen, Schwimmkurse seien deshalb ausgefallen. Menschen müssten nun noch länger auf einen Kurs warten.

Neben der fehlenden Schwimmausbildung sieht die DLRG mit Sitz in Bad Nenndorf nahe Hannover das Problem, dass Menschen wegen der coronabedingten Einlassbeschränkungen in Bädern auf unbewachte Badestellen ausweichen. Das könne gefährlich sein. Wiese appellierte an die Menschen, nur dort zu baden, wo es eine Aufsicht gibt. Eltern forderte er auf, im Wasser nah bei ihren Kindern zu bleiben, solange diese nicht sicher schwimmen können. “Seepferdchen ist kein Schwimmabzeichen”, sagte er. “Es ist lediglich ein Motivationsabzeichen, um das Schwimmen zu lernen.” Letzteres zu beherrschen sei enorm wichtig. “Schwimmen ist eine Lebensversicherung und ein hohes Kulturgut.”

Die Zahl der Todesfälle durch Ertrinken war zuletzt gesunken. Im Jahr 2019 starben bundesweit mindestens 417 Menschen bei Badeunfällen, überwiegend in Flüssen oder Seen. Das waren nach DLRG-Angaben rund 17 Prozent weniger als 2018. Die DLRG führte den bundesweiten Rückgang vor allem auf das nicht immer vorhandene Badewetter zurück.

RND/al/dpa