Freitag , 2. Oktober 2020
Blick auf die Woodrow Wilson School of Public and International Affairs an der Princeton University. Infolge der jüngsten Debatte um Rassismus in den USA hat die Elite-Universität Princeton ihr bislang nach dem früheren US-Präsidenten Woodrow Wilson benanntes Politik-Institut umbenannt. Quelle: Mel Evans/AP/dpa

Rassismus: Princeton benennt nach Expräsident benanntes Institut um

Noch vor vier Jahren hielt die Princeton University an Woodrow Wilson als Namenspatron einer Politik-Fakultät fest. Dabei ist der Ex-Präsident wegen seiner rassistischen Gesinnung höchst umstritten. Nun aber lenkt die Elite-Uni inmitten der Rassismus-Debatte nach George Floyds Tod ein.

Die US-Eliteuniversität Princeton im Staat New Jersey will ihr nach dem Ex-Präsidenten Woodrow Wilson benanntes Politik-Institut wegen dessen rassistischer Gesinnung umtaufen. Das Kuratorium sei zum Schluss gekommen, dass Wilsons rassistische Sichtweisen und Politik ihn zu einem ungeeigneten Namenspatron machten, schrieb der Uni-Präsident Christopher Eisgruber am Samstag in einem Brief an Studenten und Belegschaft. Selbst gemessen an den Standards seiner Epoche sei der Rassismus des damaligen Präsidenten erheblich und folgenschwer gewesen.

Eisgruber räumte ein, dass das Kuratorium im April 2016 zwar einige Änderungen beschlossen habe, um die Bildungseinrichtung „integrativer und ehrlicher“ im Umgang mit ihrer Geschichte zu machen. Doch habe es sich damals entschieden, am Namen Wilson festzuhalten. Im Lichte der Tötungen von George Floyd und anderen Schwarzen durch Polizeigewalt habe sich das Kuratorium des Themas dann aber noch einmal angenommen, fügte Eisgruber hinzu.

Expräsident Wilson schloss schwarze Studenten aus

Wilson war von 1911 bis 1913 Gouverneur von New Jersey. Von 1913 bis 1921 diente er dann als 28. Präsident der Vereinigten Staaten. Er war Verfechter einer Trennung von Schwarzen und Weißen und setzte die diskriminierende Politik auch in etlichen Bundesbehörden durch. In seiner Zeit als Präsident der Princeton-Universität schloss er zudem schwarze Studenten aus. Außerdem äußerte er sich wohlwollend über den rassistischen Ku-Klux-Klan.

Erst in diesem Monat hatte die ebenfalls in New Jersey ansässige Monmouth University verkündet, dass eines ihrer bekanntesten Gebäude nicht länger Wilsons Namen tragen werde. Grund seien Bemühungen um mehr Vielfalt und Integration. Der Dekan des Schulbezirks Camden gab zudem bekannt, dass die Woodrow Wilson High School – eine von zwei Schulen in dem Beritt – umbenannt werde.

Nun zieht die renommierte Princeton-Universiät nach. Fortan werde die Politik-Fakultät „Princeton School of Public and International Affairs“ heißen – Woodrow Wilson falle weg, kündigte Eisgruber an. Princeton hatte schon im Vorfeld geplant, das Wilson College – ein an die Uni angeschlossenes College mit Wohnheim – zu schließen und den Namen nach Neueröffnung zweier ähnlicher Einrichtungen nicht mehr zu verwenden. Nun aber bekommt es mit sofortiger Wirkung den Namen First College verpasst.

Die Maßnahmen „mögen einigen als harsch erscheinen“, so Eisgruber. Schließlich werde Wilson zugute gehalten, „Princeton neu erfunden, es von einem verschlafenen College in eine große Forschungsuniversität umgebaut zu haben“ und dann auch noch Präsident und Empfänger eines Nobelpreises geworden zu sein. Doch habe Princeton ihn trotz dessen Ansichten geehrt – oder diese vielleicht gar ignoriert, was eben Teil des Problems sei, schrieb Eisgruber. „Princeton ist Teil eines Amerikas, das allzu oft Rassismus nicht beachtete, überging oder entschuldigte und damit das Fortbestehen von Systemen zuließ, die schwarze Menschen diskriminieren.“

Noch vor vier Jahren war das zehnköpfige Kuratorium nach Prüfung der Meinung von Wilson-Experten und über 600 Anträgen von Absolventen, Fakultätsmitgliedern sowie gewöhnlichen Bürgern zu einem anderen Urteil gelangt. Wilsons Errungenschaften seien des Gedenkens würdig, solange seine Fehler freimütig anerkannt würden, hieß es damals im Bericht des Komitees, und: Den Namen des früheren Präsidenten zu nutzen, „impliziert keine Billigung der Ansichten und Aktionen, die mit den Werten und Ansprüchen unserer Zeiten in Konflikt stehen.“

Wilsons Name bleibt aber mit einem Preis verbunden, den Princeton jährlich an einen Bachelorabsolvent oder eine Bachelorabsolventin vergibt. Der Grund sei, dass die Auszeichnung auf eine Schenkung zurückgehe, die vorschreibt, dass sie nach dem Ex-Präsidenten benannt sein müsse, teilte das Kuratorium mit.

RND/AP