Freitag , 2. Oktober 2020
Der Rapper Aykut Anhan, alias Haftbefehl, hat sich bisher nicht zu der Petition geäußert. Quelle: picture alliance / dpa

Petition in Offenbach: Bismarckstraße soll in Haftbefehl-Straße umbenannt werden

Ein Student hat in Offenbach mit einer Petition eine Diskussion angestoßen: Er fordert die Umbenennung der Bismarckstraße – zum Beispiel in Haftbefehl-Straße, nach dem Offenbacher Rapper. In der Politik wird über das Thema debattiert, der Musiker schweigt bisher zu dem Vorschlag.

Offenbach. Eine Petition fordert zurzeit, dass die Bismarckstraße im hessischen Offenbach umbenannt wird – zum Beispiel in Haftbefehl-Straße oder alternativ in Erwin-Kostedde-Straße. Initiator und Student Felix Sauer (29) will sich mit dem Änderungswunsch an Oberbürgermeister Felix Schwenke wenden, heißt es darin. Er hat schon mehr als 1500 Unterstützer für seinen Umbenennungswunsch.

Sauer bezieht sich in seiner Petititon auf die Black-Lives-Matter-Bewegung und den kritischen Umgang mit Kolonialismus. “Otto von Bismarck hat mit der von ihm 1884/1885 in Berlin organisierten Kongokonferenz die Kolonisierung Afrikas organisiert und ist damit für das Leid und die Ermordung von Millionen von Menschen (mit)verantwortlich. Auch außerhalb dieser Konferenz war er ein Kriegstreiber. Eine der größten und wichtigsten Ost-West-Verkehrsstraßen in Offenbach ist nach ihm benannt”, nennt er einen Grund für seine Petition.

Nicht die einzige Straße, die laut Initiator umbenannt werden sollte

Er nennt darin noch weitere Straßen, die umbenennungswürdig wären. “Für jede dieser Straßen/Wege/Museen wird man ohne Probleme eine bessere Persönlichkeit finden, die die Stadt und eine progressive Welt vertritt. Am besten kein weißer, alter Nazi-Mann mehr, sondern gern eine Frau, PoC oder eine Tochter oder ein Sohn der Stadt mit Migrationshintergrund”, schreibt er. Und kommt dann mit einem konkreten Vorschlag für die Umbenennung der Bismarckstraße um die Ecke: ”Ich werfe für die Bismarckstraße mal Erwin Kostedde (der erste dunkelhäutige deutsche Fußballnationalspieler) oder Rapper Aykut Anhan aka. Haftbefehl (vermutlich bekanntester Offenbacher der letzten 30 Jahre) in die Runde.”

Die Haftbefehl-Straße solle Migranten zeigen, dass sie auch erfolgreich sein können und nicht nur Opfer, erzählt Initiator Sauer der “Frankfurter Rundschau” (FR). Dabei gehe es ihm nicht wirklich um Haftbefehl oder Bismarck, sondern vielmehr darum, Aufmerksamkeit für das Thema Rassismus in Offenbach zu erregen. Rapper Haftbefehl hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Umbenennungswunsch geäußert. Das könnte auch daran liegen, dass der Vorschlag mit seinem Namen unrealistisch ist und vor allem dafür sorgen soll, die Debatte anzustoßen. Denn: Eine Haftbefehl-Straße wird es nicht geben – weil Straßen nicht nach lebenden Personen benannt werden dürfen.

Viel Rückmeldung aus der Politik – Schweigen von Haftbefehl

Trotzdem gab es bereits einige Rückmeldungen aus der Lokalpolitik: So sprach Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke gegenüber der “FR” davon, dass es einen “breiten Konsens” in der Stadt für eine Umbenennung brauche. Außerdem benötige es eine “fachlich kompetent besetzte historische Kommission”, um die Arbeit von Bismarck zu beurteilen. Unterstützung bekommt die Petition der Zeitung zufolge von dem Stadtverordneten Sven Malsy (Linke), wohingegen FDP und AfD sich in Offenbach schon dagegen ausgesprochen haben sollen. Thema ist die Petition aber auf jeden Fall: Sie soll laut “FR” nun auch bei einer Arbeitsgruppe der Offenbacher Stadtverordneten diskutiert werden.

RND/hsc