Freitag , 25. September 2020
Polizeieinheiten sammelten sich am vergangenen Wochenende, um gegen Randalierer vorzugehen. Quelle: Simon Adomat/dpa

Hundertschaften in Stuttgart im Einsatz – vereinzelte Aufrufe zu neuen Krawallen

Die Stuttgarter Chaosnacht soll sich niemals wiederholen. Die Polizeipräsenz in der baden-württembergischen Hauptstadt wird deshalb an diesem Wochenende massiv erhöht. Vereinzelte Aufrufe in sozialen Medien zu Wiederholungen der Krawalle nimmt die Polizei ernst.

Stuttgart. Nach den Ausschreitungen in Stuttgart bereitet sich die Polizei der baden-württembergischen Hauptstadt intensiv auf das aktuelle Wochenende vor. “Wir haben die Ereignisse vom vergangenen Wochenende aufgearbeitet und uns im Laufe der Woche intensiv auf den Einsatz vorbereitet”, sagte Monika Ackermann, Sprecherin der Stuttgarter Polizei, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

“Wir haben die Präsenz deutlich erhöht”, so Ackermann weiter. Am Wochenende seien mehrere hundert Polizeibeamte in der Stadt unterwegs. “Das wird aber nicht jedem auffallen, weil jetzt nicht an jedem Grashalm auf dem Schlossplatz ein Polizist steht”, erklärte sie. Dort war die Situation am vergangenen Wochenende eskaliert.

Der Vorsitzende des Landtagsinnenausschusses, der Abgeordnete Karl Klein (CDU), sprach am Mittwoch davon, dass die Polizei an den kommenden Wochenenden nachts mit einer guten dreistelligen Anzahl an Beamten unterwegs sein wolle. Zum Einsatz sollten mehrere Einsatzhundertschaften, Polizeireiter, Polizeihundeführer und weitere Ermittlungsbeamte kommen.

Polizei will sich Überblick in Stuttgarts Innenstadt verschaffen

“Wir werden ab dem frühen Abend in der Innenstadt unterwegs sein und uns einen Überblick verschaffen, wer da ist und wie die Stimmung ist”, erklärte Ackermann gegenüber dem RND das konkrete Vorgehen an diesem Freitag und Samstag. “Wenn wir Kleingruppen sehen, die Alkohol konsumieren, werden wir frühzeitig das Gespräch suchen.” So solle verhindert werden, dass überhaupt eine große Gruppendynamik wie am vergangenen Wochenende entstehen könne.

“Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass, wenn man Kleingruppen direkt anspricht, die auch für Kommunikation empfänglich sind”, so Ackermann weiter. “Die sehen dann, dass hinter der Uniform auch nur ein Mensch steckt, der privat vielleicht auch gern mal feiern geht.” Sie wollten schon reagieren, bevor der Funke auf eine größere Gruppe überspringe.

Aufrufe zu Wiederholung der Krawalle in den sozialen Medien

Doch wie schätzt die Polizei die Wahrscheinlichkeit ein, dass es noch einmal zu Krawallen kommen könnte? “Wir haben vereinzelte Aufrufe zu Wiederholungen der Krawalle in den sozialen Medien entdeckt. Aber es ist schwer einzuschätzen, ob das ernst gemeint ist”, sagte Polizeisprecherin Ackermann. So oder so müsste die Polizei solche Aufrufe allerdings ernst nehmen, auch wenn sie vielleicht am Ende nicht ernst gemeint seien. “Wir müssen uns natürlich darauf vorbereiten.”

Bericht von der Krawallnacht

Innenminister Thomas Strobl (CDU) berichtete den Parlamentariern am Mittwoch in einer nicht öffentlichen Sitzung von der Aufarbeitung der Krawallnacht. Die Ermittlungsgruppe ist inzwischen von 40 auf 75 Personen erweitert worden. Nach Angaben Kleins sind die zusätzlichen Beamten unter anderem nötig, um die Vielzahl an Fotos und Videos der Ausschreitungen auszuwerten. Die Menge des zu sichtenden Materials bewege sich inzwischen im Gigabytebereich. Ziel sei es, weitere Tatverdächtige zu finden und festzunehmen.

In der Nacht zum vergangenen Sonntag waren Hunderte Menschen durch die Haupteinkaufsstraße Stuttgarts gezogen, sie hatten Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Nach Angaben der Polizei waren 400 bis 500 Menschen an der Randale beteiligt. Darunter waren nach Angaben Strobls vom Dienstag aber nicht nur Gewalttäter, sondern auch Menschen, die anfeuerten, anstachelten und klatschten – und den Gewalttätern möglicherweise Schutz boten.

Die Zahl der Tatverdächtigen hat sich inzwischen um mindestens einen mutmaßlichen Randalierer erhöht. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um einen 15-Jährigen, der an den Plünderungen beteiligt gewesen sein soll. Der deutsche Jugendliche sollte einem Haftrichter vorgeführt werden. Insgesamt sind bislang 26 Tatverdächtige festgenommen worden. Mehrere davon sitzen in Untersuchungshaft, einer wegen des Verdachts auf versuchten Totschlag, mindestens 16 wurden inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt.

RND/hsc, mit dpa