Dienstag , 29. September 2020
Die USA hat 2,3 Millionen nachgewiesener Coronafälle - die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. Quelle: Michael Nagle/XinHua/dpa

US-Behörde schätzt: Zehn unentdeckte Fälle pro nachgewiesener Infektion

Nach einer Schätzung der Gesundheitsbehörde CDC sind deutlich mehr US-Amerikaner mit dem Coronavirus infiziert. CDC-Direktor Robert Redfield sagte, die Institution gehe von zehn unentdeckten pro entdecktem Fall aus. Bekannt sind in den USA bereits mehr als 2,3 Millionen Infektionen.

Washington. In den USA haben sich nach Schätzungen der Gesundheitsbehörde CDC wohl rund zehnmal mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert als bislang bekannt. „Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen“, sagte CDC-Direktor Robert Redfield bei einer telefonischen Pressekonferenz am Donnerstag. Das sei vor allem auf asymptomatische Infektionen zurückzuführen und darauf, dass in den USA in den ersten Monaten des Ausbruchs deutlich weniger getestet worden sei als jetzt. „Mit den Methoden, die wir im April und Mai benutzt haben, haben wir wahrscheinlich rund zehn Prozent der Infektionen verzeichnet.“

Die Behörde gibt derzeit für die USA mehr als 2,3 Millionen bekannte Corona-Infektionen an – mehr nachgewiesene Fälle als jedes andere Land der Welt. Mehr als 121.000 Menschen starben laut CDC infolge einer Covid-19-Erkrankung.

110 Landkreise gelten aktuell als Corona-Hotspots

Derzeit würden viele Neuinfektionen bei jüngeren Menschen festgestellt. „Die haben wir in der Vergangenheit wahrscheinlich einfach nicht diagnostiziert.“ Die steigende Zahl der Neuinfektionen vor allem in südlichen Bundesstaaten besorge ihn sehr, sagte Redfield. Allerdings seien nur rund 110 Landkreise derzeit wirkliche „Hotspots“. Er wolle aber nichts herunterspielen, so Redfield. „Das ist eine bedeutendes Ereignis und wir sind natürlich besorgt.“ Die Hygiene- und Abstandsregeln sollten unbedingt weiter eingehalten werden, vor allem von besonders gefährdeten Menschen mit Vorerkrankungen.

Zu einer Corona-Warn-App gebe es derzeit keine konkreten landesübergreifenden Überlegungen, sagte Jay Butler, der beim CDC für Infektionskrankheiten zuständig ist. Solche Apps hätten „viel Verheißungsvolles, aber auch viele Herausforderungen“, sagte Butler. Die Autorität über das Vorgehen bleibe bei den lokalen und regionalen Behörden.

RND/dpa