Sonntag , 27. September 2020
Patapaa ist in Ghana ein Star - und mit der Deutschen Liha Miller liiert. Quelle: privat

Im ghanaischen TV: Hip-Hop-Star wirft Kölner Klinik Rassismus vor

In Ghana ist Justice Amoah als Musiker Patapaa Amisty bekannt. Bei einem Besuch bei seiner deutschen Freundin in Köln machte er kürzlich rassistische Erfahrungen, wie er sagt. Während seine Freundin mit Schmerzen in die Notaufnahme kam, soll ihm die Anwesenheit verweigert worden sein.

Köln. Ein Fernseh-Interview sorgt in Ghana für Aufsehen – obwohl sich der Vorfall in Deutschland ereignet hat. Der westafrikanische Musiker Justice Amoah, bekannt als Patapaa Amisty, erzählte in der Fernsehsendung “Ahosepe” bei “Adom TV” von einer rassistischen Erfahrung in Deutschland. In der Notaufnahme eines Krankenhauses sei es zum Streit gekommen, nachdem er als Schwarzer seine weiße und deutsche Freundin – auf deren Wunsch hin – begleiten wollte. “Die Mehrheit der Weißen hat keinen Respekt für uns Schwarze”, sagte er in dem Gespräch.

Liha Miller ist die deutsche Freundin des Musikers – und war ebenfalls in der Fernsehsendung – per Videoschalte – zu sehen. Im Februar dieses Jahres sei sie mit starken Schmerzen in der Brust, Atemproblemen und einem Hautausschlag in die Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses Kalk in Köln gekommen, berichtet sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Es handelte sich um eine starke Entzündung, durch die es ihr später noch sieben Wochen lang schlecht ergangen sei.

“Ich fragte den Arzt, ob es ist, weil mein Freund schwarz ist. Er schwieg und grinste.”

“Es waren einige Patienten vor uns, auch junge Paare wie ich und mein Freund”, sagt Liha Miller dem RND, “Aber als ich mit meinem Freund ins Behandlungszimmer kam, begrüßten wir den Arzt, er uns aber nicht.” Während sie ihre Symptome geschildert habe, habe der Arzt sie unterbrochen und auf ihren Lebensgefährten gezeigt: “Seine erste Frage war, wer das ist”. Er habe nachgefragt, ob sie offiziell verheiratet seien und als sie das verneinte, wurde ihr Freund des Raumes verwiesen. “Ich habe den Arzt angefleht, dass er meinen Freund nicht rausschicken soll, weil ich Angst hatte und ihn als Unterstützung gebraucht hätte.”

Der Arzt habe sie daraufhin vor die Wahl gestellt: Behandlung ohne Justice Amoah oder sie müsse sich einen neuen Arzt suchen. “Ich fragte ihn, warum er unbedingt will, dass mein Freund rausgeht und er sagte, er wäre der Arzt und dürfe entscheiden, wen er behandle und wenn es mir nicht passt, sollte ich mir einen anderen Arzt suchen.” Auch auf die Bitte nach einer Ausnahme sei der Arzt nicht eingegangen – und habe dann auch die Behandlung verweigert. “Ich frage ihn, wieso die Paare vor uns zusammen ins Behandlungszimmer durften, oder die Familie mit fünf Personen. Er schwieg. Ich fragte ihn direkt, ob es ist, weil er schwarz ist. Und er schwieg und grinste nur”, so Liha Miller, die selbst in der Pflege arbeitet. “Er hat nichts abgestritten und ich wusste schon, was Sache war.”

Kölner Klinikum kann sich zum Vorfall nicht äußern

Sie habe den Raum verlassen und sich bei der Rezeption über den Mediziner beschwert. “Der Mann an der Info sagte mir, dass sich schon sehr viele über diesen Arzt beschwert haben, aber leider ohne Erfolg.” Auf eine Anfrage des RND wollte sich der Geschäftsführer der Klinik, Marcus Kirchmann, zunächst nicht äußern. “Ohne weitere Benennung von personenbezogenen Informationen der Beschwerdeführerin kann ich keine Aussagen zum Sachverhalt treffen”, teilte er mit. “Es kann durchaus sein, dass medizinische Gründe gegen ein Beisein des Angehörigen gesprochen haben.” Gerade im multikulturellen Stadtteil Kalk sei es gelebter Anspruch in der Klinik, Menschen jeder Religion und Hautfarbe zu behandeln.

Liha Miller gibt an, sich im Nachgang nicht noch einmal bei der Geschäftsleitung beschwert zu haben. Sie hatte vielmehr mit ihrer Gesundheit zu tun. “Ich hätte an diesem Tag sterben können, wäre mein Freund nicht dagewesen und hätte mich ins nächste Krankenhaus gefahren”, sagt sie. Sieben Wochen lang sei es ihr “sehr sehr sehr schlecht” gegangen. “Ich habe schon öfter rassistische Erfahrungen gemacht, aber dieses Erlebnis war wirklich hart”, sagt sie, “ich habe mich wirklich so hilflos gefühlt.”

Von Miriam Keilbach/RND