Samstag , 26. September 2020
Ein Mitarbeiter des Fleischunternehmens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. (Archivfoto) Quelle: picture alliance / dpa

Tönnies-Werbevideo zeigt, wie Mitarbeiter gegen Corona-Regeln verstoßen

Über 2000 Mitarbeiter des Fleischfabrikanten Tönnies sind mittlerweile mit dem Coronavirus infiziert. Ein Werbevideo des Unternehmens sorgt nun erneut für Kopfschütteln: Die Aufnahmen befeuern den Verdacht, dass die Corona-Regeln bei Tönnies während der Pandemie nicht ausreichend eingehalten wurden.

Gütersloh. Nach der rasanten Ausbreitung des Coronavirus unter Mitarbeitern der Fleischfabrik Tönnies wird das Unternehmen unter anderem für schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter kritisiert. Nach einem intern aufgenommenen Video, das Mitarbeiter dicht gedrängt in der Kantine zeigt, sorgt nun auch ein firmeneigenes Werbevideo für Kopfschütteln.

In dem Video, das Ende April veröffentlicht wurde, präsentiert sich das Unternehmen als “Tönnies – Die Burgermacher”. In knapp dreieinhalb Minuten sind die Fleischproduktion und -verarbeitung von Hamburger-Pattys zu sehen, von denen rund 130.000 Stück am Tag produziert werden. Problematisch ist, dass in mehreren Sequenzen deutlich erkennbar ist, dass der Werbefilm Anfang April gedreht wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Deutschland bereits mitten in der Corona-Pandemie mit strengen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen.

Fehlender Abstand und kein Mundschutz

Bereits zu Beginn wirft eine Szene des Werbevideos Fragen auf. Dort stellt Werksverkaufsleiter Jörg Nuhn die Qualitätssicherung beim Hackfleisch vor. Weder er noch seine Kollegin der Qualitätssicherung tragen einen korrekten Mundschutz – und auch auf einen Mindestabstand von eineinhalb Metern wird verzichtet. Ein Etikett an dem Fleisch zeigt außerdem, dass eines der Tiere am 3. April geschlachtet wurde. Die Dreharbeiten zum Film fanden also während der Corona-Pandemie statt.

In allen weiteren Szenen, in denen der Werksverkaufsleiter auf Mitarbeiter trifft, fällt auf, dass die wenigsten einen korrekten Mund-Nasen-Schutz tragen. Die meisten Mitarbeiter bedecken lediglich ihren Mund oder tragen gar keinen Schutz. Der Mindestabstand wird so gut wie nie eingehalten, stattdessen stehen Mitarbeiter im Hintergrund einer Szene in der Fabrik dicht beisammen.

Gegenüber “Spiegel TV” erklärte das Unternehmen auf Nachfrage, dass es zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ein Mundschutzangebot gegeben habe, den ein Großteil der Mitarbeiter auch umgesetzt habe.

2000 Tönnies-Mitarbeiter mit Corona infiziert

Das Werbevideo befeuert Spekulationen, dass nicht eingehaltene Hygienemaßnahmen innerhalb des Fleischunternehmens für die nun hohen Infektionszahlen unter den Mitarbeitern verantwortlich sein könnten. Insgesamt sind mehr als 2000 Tönnies-Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet worden, in den Kreisen Gütersloh und Warendorf wurde nun mit einem kompletten Lockdown auf die Ausbreitung reagiert.

RND/al