Samstag , 26. September 2020
Auf der Insel Usedom wollte Marion Heidenfelder aus Gütersloh eigentlich ihren Urlaub verbringen. Quelle: imago images/Leo

Urlauberin aus Gütersloh auf Usedom abgewiesen: “Kam mir vor wie eine Aussätzige”

Eigentlich hatte sich Marion Heidenfelder sehr auf ihren Urlaub auf der Insel Usedom gefreut. Doch die Rentnerin aus Gütersloh wird wieder nach Hause geschickt, noch bevor sie ihr Ferienhaus beziehen kann. In einem Interview erzählt sie, wie sie sich in diesem Moment gefühlt hat.

Gütersloh. Die Menschen in Deutschland wünschen sich in der Corona-Krise ein bisschen Normalität zurück. Um abzuschalten, fahren viele Touristen an die Nord- oder Ostseeküste. Das wollte auch Marion Heidenfelder tun. Sie hatte einen Kurzurlaub auf der Insel Usedom gebucht. Doch was der Rentnerin aus Gütersloh bei der Ankunft widerfahren ist, macht sie fassungslos.

Als sie ihre Ferienwohnung gemeinsam mit ihrer Schwägerin bei der Verwaltung im Voraus bezahlen wollte, schritten die Polizei und ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ein. Weil sie aus dem Kreis Gütersloh kommt, müsse sie Mecklenburg-Vorpommern unverzüglich verlassen. “In dem Moment war ich einfach geschockt. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden, ich kam mir vor wie eine Aussätzige. Diskriminiert”, sagte sie in einem Interview mit RTL.

Hintergrund: Beim Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh haben sich mehr als 1300 Personen mit dem Coronavirus infiziert. In zwei Kreisen wurde deshalb am Dienstag ein regionaler Lockdown verhängt.

Kein generelles Verbot

Insgesamt 14 Menschen aus Corona-Hotspots wurden aufgefordert, die Insel Usedom vorzeitig zu verlassen. Darunter auch Marion Heidenfelder, die nun erst einmal nicht mehr an die See fahren möchte. “Ich bin stinksauer”, sagt die Rentnerin.

Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Schleswig-Holstein wollen Bürger aus Corona-Risikogebieten nur noch unter strengen Auflagen einreisen lassen. In Schleswig-Holstein sollen sie sich künftig nach der Einreise zwei Wochen in Quarantäne begeben. In einer Telefonkonferenz wollen die Gesundheitsminister der Länder an diesem Mittwoch über eine einheitliche Linie im Umgang mit Reisenden beraten.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) warnte davor, Urlauber aus dem Kreis Gütersloh zu stigmatisieren. “Die Botschaft an alle, die jetzt auf Gütersloh schauen: Es sind außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie so gut wie keine Fälle bisher bekannt”, sagte er am Dienstagabend in der ARD.

RND/nis/dpa