Mittwoch , 23. September 2020
Stadt Warendorf steht auf einem Ortsschild. Quelle: Guido Kirchner/dpa

Unmut nach Lockdown im Kreis Warendorf: “Die Kinder sind die Leidtragenden”

Die Menschen im Kreis Warendorf sind nach dem Lockdown wegen des Corona-Ausbruchs verunsichert. Familien sorgen sich um ihre Urlaubspläne und die Kinderbetreuung in den Sommerferien. Und was soll nach den Ferien werden?

Warendorf. Mittwochmorgen kurz vor acht Uhr. Die Schule startet in wenigen Minuten. Vor dem Gebäude stehen kleine Gruppen von Eltern. Sie sind aufgebracht. „Was ist, wenn das alles noch schlimmer wird?“, fragt Michaela Tietze. Die Mutter hat ihr Kind eben zu der Grundschule in Warendorf gebracht.

Es ist der vorzeitige letzte Schultag für die Kleinen, denn am Dienstagnachmittag hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) den Lockdown für den Kreis Warendorf verkündet. Schulen und Kindertagesstätten bleiben demnach ab Donnerstag geschlossen. Nach einem massiven Corona-Ausbruch beim Schlachtereibetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh war dort bereits am Dienstagmorgen der erneute Lockdown ausgerufen worden.

Urlaub steht auf der Kippe

„Die Kinder sind die Leidtragenden“, so Tietze. Neben ihr steht Kirsten Wagner und nickt. Auch ihr Kind sei sehr traurig, besonders wegen des geplanten Urlaubs. Zusammen möchte die Familie in den Sommerferien nach Sylt fahren. „Ich arbeite seit Mitte März auf den Jahresurlaub hin. Wir sind alle so urlaubsreif wie nie“, so die Mutter. „Jetzt steht das alles in Frage. Dürfen wir da überhaupt noch hin?“ Ein weiteres Problem sei die Betreuung der Kinder, insbesondere in den Ferien. „Wer hat schon sechs Wochen Urlaub? Und zu den Risikogruppen dürfen die Kinder dann ja auch nicht mehr“, sagt Wagner.

Auch Nicole Aufmkolk ist verunsichert. Sie ist auf dem Weg zur Kita. An der Hand hält sie ihren fünfjährigen Sohn. „Er hatte sich so gefreut seine Freunde wiederzusehen“, so die Mutter. „Wir wollten eigentlich nach Frankreich fahren, das steht nun alles auf der Kippe.“

“Herr Tönnies müsste viel mehr in die Verantwortung genommen werden”

Wenige Meter weiter sitzt Karl-Heinz Jansen mit seinen Enkeltöchtern. Gemeinsam gibt es Brötchen zum Frühstück in der Sonne auf einer Bank am Marktplatz in Warendorf. Der Pensionär ist extra aus Dorsten in der Nähe von Dortmund gekommen, um auf seine Enkelkinder aufzupassen, weil seine Tochter arbeiten muss. „Ich finde grundsätzlich diese Maßnahmen die getroffen worden sind, in Ordnung“, so der 68-Jährige. „Nur die Ursache, der Herr Tönnies mit seiner Fleischfabrik, müsste viel mehr in die Verantwortung genommen werden.“ Er habe Sorge, dass der massive Corona-Ausbruch weitere Folgen nach sich ziehen werde. „Da wird die Bevölkerung noch lange was von haben. Da bleiben Kunden weg“, so Jansen.

Schulleiter Martin Wellnitz von der Mosaikschule in Ennigerloh im Kreis Warendorf blickt mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. „Wir wissen überhaupt nicht, wie es nach den Sommerferien weitergehen soll“, so der Schulleiter. „Diese Zeit hat uns schon viel Arbeit gekostet. Mit jeder neuen Entwicklung war es, als müssten wir ein neues Schuljahr planen.“

RND/dpa