Samstag , 19. September 2020
Witwe Tomika Miller nimmt Abschied von ihrem Mann Rayshard Brooks. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Tod nach Polizeigewalt: Rayshard Brooks in Atlanta beerdigt

In Atlanta ist Rayshard Brooks, der am 12. Juni durch Polizeischüsse ums Leben kam, beerdigt worden. Die rund zweistündige Zeremonie wurde live im Fernsehen, Internet und auf den Vorplatz der Kirche übertragen. Die Familie des Getöteten trug weiße Kleidung, um Abschied zu nehmen.

Atlanta. Vor anderthalb Wochen starb Rayshard Brooks durch zwei Polizeikugeln: Während er den Beamten davonlief, schoss ihm einer in den Rücken und tötete den 27-Jährigen. Am Dienstag fand um 13 Uhr Ortszeit die Beerdigung statt. Die Kosten hierfür hatte Medienmogul Tyler Perry übernommen. Während die Beerdigung privat war und nur eingeladene Trauergäste willkommen waren, wurde der Leichnam bereits am Montag in der Kirche aufbewahrt – die Öffentlichkeit konnte sich so verabschieden und sich ins Kondolenzbuch eintragen. Hunderte nahmen das Angebot an.

Die Familie des Getöteten war ganz in Weiß gekleidet, Witwe Tomika Miller trug auf ihrem Kleid auch ein Foto von sich und ihrem verstorbenen Mann. Alle Familienmitglieder – Brooks hatte drei eigene Kinder und einen Stiefsohn – trugen entweder weiße Schutzmasken oder schwarze, in Anlehnung an den Black-Lives-Matter-Protest. Ein Saxofonist und ein Pianist spielten während der Zeremonie live, Musik von einem Chor wurde eingespielt. Auch Fotos von Brooks und seiner Familie wurden auf einer Leinwand gezeigt.

Die Beerdigung wurde live im Fernsehen, Internet und auf dem Vorplatz der Kirche übertragen

Die rund zweistündige Beerdigung wurde zum einen live im Fernsehen und Internet, zum anderen aber auch auf dem Vorplatz der Kirche übertragen. “Schwarze Eltern wissen nicht, was sie ihren Kindern sagen sollen, um sie am Leben zu erhalten. Und das ist das Problem”, sagte Pastor Raphael G. Warnock laut “Atlanta Journal Constitution”. “Es ist nicht nur ein Problem von Schwarzen, auch wenn es mit Schwarzen passiert. Es ist ein gesamtamerikanisches Problem.” Das Problem sei größer als nur die Polizei.

Brooks war am 12. Juni im Drive-in eines Schnellrestaurants eingeschlafen. Er hatte zuvor Alkohol getrunken. Während das Gespräch mit den Beamten ruhig verlief, eskalierte die Situation bei der Festnahme, als Brooks getreten und mit dem Elektroschocker angegangen wurde. Er entriss dem Beamten den Taser und rannte davon – zwei Kugeln trafen ihn im Rücken. Während der Schwerverletzte am Boden um sein Leben kämpfte, kniete einer der Polizisten noch auf dem Brooks. Der Todesschütze wurde inzwischen entlassen, ihm droht eine Anklage wegen Mordes. Der zweite beteiligte Beamte wurde suspendiert.

RND/msk