Freitag , 18. September 2020
Der Schriftzug „Landgericht“ vor dem Gerichtsgebäude von Itzehoe.

Mutter lässt Säugling ersticken: Sechs Jahre Haft wegen Totschlags

Eine 23 Jahre alte Frau muss in Itzehoe für sechs Jahre in Haft, weil sie ihr Baby nach der Geburt in der Toilettenschüssel liegen ließ. Das Mädchen erstickte deshalb. Der Anwalt hatte argumentiert, dass die Frau sicher gewesen sei, es habe sich um eine Totgeburt gehandelt.

Itzehoe. Mehr als zwei Jahre nach dem Tod ihres Babys ist die 23 Jahre alte Mutter zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Itzehoe sprach die Bäckereifachverkäuferin am Dienstag des Totschlags durch Unterlassen schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau vorgeworfen, dem Säugling nicht geholfen zu haben. Daher sei das Baby unmittelbar nach der Geburt erstickt.

Mutter ließ Säugling in der Toilettenschüssel

Die Angeklagte brachte die kleine Leoni – wie das Mädchen später auf der Sterbeurkunde genannt wurde – am 30. Mai 2018 auf der Toilette ihrer Wohnung in einem Dorf bei Heide im Kreis Dithmarschen zur Welt. „Es war nicht viel erforderlich. Sie hätte nur das Kind aus der Toilettenschüssel heben und die Atemwege befreien müssen“, sagte die Staatsanwältin. Doch „das Kind, das zur Welt kam, sollte nicht leben“.

Sie forderte acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags. Der Verteidiger wollte für seine Mandantin einen Freispruch. „Sie war überzeugt, es war eine Totgeburt“, begründete er seinen Antrag.

RND/dpa