Dienstag , 29. September 2020
Die Zahl der nachweislich Infizierten beim Fleischproduzenten Tönnies ist auf 1553 positive Befunde gestiegen. Quelle: imago images/Noah Wedel

Mehr als 1500 Infizierte: Zahl der Corona-Nachweise bei Tönnies gestiegen

Das bestätigte der Leiter des Krisenstabes im Kreis Gütersloh am Montagabend. Zuvor hatten die Behörden von 1331 bestätigen Corona-Fällen in der Belegschaft berichtet.

Gütersloh. Die Zahl der nachweislich infizierten Tönnies-Mitarbeiter ist nach jüngsten Daten weiter gestiegen. Es gebe 1553 positive Befunde von den Personen, die unmittelbar im Werk tätig sind, sagte der Leiter des Krisenstabes im Kreis Gütersloh, Thomas Kuhlbusch, am Montagabend bei einer Pressekonferenz in Gütersloh. Insgesamt seien 6650 Proben genommen worden. Zuvor hatten die Behörden von 1331 bestätigen Corona-Fällen (Stand Sonntag) in der Tönnies-Belegschaft berichtet.

Die hohe Zahl der Corona-Infizierten hat im Kreis Gütersloh eine Kennziffer für die Pandemie-Bekämpfung deutlich nach oben getrieben. Die sogenannte 7-Tages-Inzidenz zu den Corona-Neuinfektionen ist dort auf den Wert von 263,7 gestiegen. Er zeigt an, wie viele Neuinfektionen in den vergangenen 7 Tagen pro 100 000 Einwohner gemeldet wurden. Auch im benachbarten Kreis Warendorf geht der Wert nach oben. Dort liegt er nach Angaben des nordrhein-westfälischen Landeszentrums Gesundheit zum Stand 22. Juni 0 Uhr bei 41,8.

Laschet schließt Lockdown in der Region weiter nicht aus

Bei der Marke von 50 sollen für eine betroffene Region wieder stärkere Einschränkungen in Betracht gezogen werden. Bund und Länder haben allerdings auch vereinbart, dass diese Zahl keine Rolle spielt, wenn es sich um einen lokal eingrenzbaren Infektionsherd handelt. So wird auch der Ausbruch bei Tönnies bisher von der Landesregierung eingestuft. Laschet schließt aber einen Lockdown in der Region weiter nicht aus. Die Bundesregierung betonte, über konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen entscheide das Land Nordrhein-Westfalen.

Lauterbach kritisierte das Vorgehen der NRW-Landesregierung. “Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind”, sagte er der “Rheinischen Post” (Dienstag). Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen. Deshalb sei es ein Fehler, “dass es jetzt keinen kurzen Lockdown mit einem massiven Testaufgebot gibt”. Das sei nötig, um das tatsächliche Infektionsgeschehen in der Region genau einschätzen zu können.

Im Kreis Gütersloh ging es am Montag unter anderem um weitere Abstriche bei Haushaltsangehörigen von Tönnies-Mitarbeitern. Erneut waren mobile Teams unterwegs, um Proben zu nehmen und den in Quarantäne befindlichen Menschen Unterstützung anzubieten. Im Kreisgebiet können sich alle Menschen in den nächsten Tagen kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Am Montag seien auf diese Ankündigung schon zahlreiche Menschen zum Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück gekommen, sagte Kreissprecher Jan Focken.

R-Wert für ganz Deutschland gestiegen

Für die angekündigten kostenlosen Corona-Tests der Bevölkerung des Kreises Gütersloh will die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe ein Diagnosezentrum einrichten. Ort, Tag der Eröffnung und Öffnungszeiten stünden noch nicht fest. “Wir hoffen, dass es kurzfristig klappt”, sagte eine Sprecherin der Vereinigung.

Die vielen Infektionen bei Tönnies-Mitarbeitern sorgten auch dafür, dass die für die Ausbreitung wichtige Reproduktionszahl (R-Wert) für ganz Deutschland deutlich auf 2,88 (Vortag: 1,79) gestiegen ist. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel zwischen zwei und drei weitere Menschen ansteckt. Der Anstieg hänge mit lokalen Häufungen zusammen, wobei insbesondere der Ausbruch in Nordrhein-Westfalen eine große Rolle spiele, wie das RKI in seinem Lagebericht mitteilte.

RND/dpa